Ist er nicht schön, dieser Panama-Hut?
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Ihr ahnt es schon, nachdem wir im letzten Beitrag in Cuenca waren und uns am kolonialen Baustil fast nicht satt sehen konnten, gibt es heute mal eine Sonderbeilage zum Thema „Fashion & Lifestyle: Der Panama-Hut aus Ecuador“. Jawoll, aus Ecuador und nicht aus Panama. Dort wurde er nicht nur getragen, sondern Panama war als zentrale Sammel- und Zollstelle für Importwaren nach USA der Ort, von dem aus die Hüte in alle Welt verschickt wurden. Irgendwann sprach man dann eben nur noch vom Panama-Hut, wenn man die ecuadorianischen Strohhüte meinte.

Avantgardistischer Auftritt mit einem Kleid aus Panama
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Das Strohgeflecht ist übrigens unterschiedlich fein. Je feiner, desto besser der Hut und desto teurer ist auch der Preis. Man könnte, wenn man wollte, auch ein Kleid aus Panamagewebe tragen. Das ist aber vielleicht nur in Ländern ratsam, in denen eine gewisse stetige Luftfeuchtigkeit herrscht. Hierzulande in trockener Luft würde das Kleid sicherlich bald brüchig werden und irgendwann stünde man dann mit blankem Hintern da, wenn man sich im Lokal vom Stuhl erheben würde.

Und dann beginnt das große Flechten
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Feinste Flechtarbeiten machen aus diesen Hüten wahre Schätze. Deswegen ist ein echter Panama-Hut, der im Inneren ein Etikett trägt „Made in Ecuador“ auch nicht für ein paar Euro zu haben. So um die 100 Euro muss man hierzulande mindestens investieren, um einen guten Hut zu bekommen. Was sie im Land selber kosten, weiß ich nicht. Aber wenn man den Flug dazu rechnet…

Ist der echt? Der schaut so wächsern aus der Wäsche…
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Schwesterherz und Freund waren eine Hutmanufaktur besichtigen. Hier werden die Hüte noch in echter Handarbeit hergestellt und zwar nicht nur von solchen Wachsfigurpuppen wie auf dem Foto oben. Auch schöne Taschen aus Panamagewebe mit Leder kombiniert kann man hier finden. Das sind alles sehr klassische und zeitlose Modelle, an denen man sicherlich über Jahre hinweg seine Freude hat.

Nicht nur Panamahüte werden in Ecuador gefertigt, sondern auch chice Taschen
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Was hier unten so teigig aussieht, sind Hutrohlinge, die darauf warten, weiter verarbeitet zu werden. Sie sind bereits gebleicht, deswegen diese elfenbeinfarbene Tönung. Wäre das Gras bzw. die Palmblätter en nature, dann hätten wir hier eine gelbliche Farbe. Aber in diesem gebrochenen Weiß sehen die Hüte natürlich besonders edel aus.

Sieht aus wie Teiglinge beim Bäcker, sind aber gebleichte Rohlinge vom Hutmacher
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Von den Panama-Hüten gibt es unterschiedliche Modelle. Die einen erinnern an Cowboyhüte, die anderen eher an die Borsalinos von Humphrey Bogar und wieder andere, speziell die für die Damen, sind modelliert wie Florentiner. Bei den hellen Herrenhüten, die klassich verarbeitet wurden, findet man meistens das dunkle Hutband, das einen markanten Kontrast zum elfenbeinfarbenen Strohhut bildet.

Welches Kapperl hätten’S denn gern? Diverse Modelle des Panama-Hutes
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Mir persönlich gefällt bei den Panama-Hüten die Form des Borsalinos besonders gut. Eine Krempe von 6,5 bis 7 cm, zwei Dellen vorne links und rechts und natürlich die in der oberen Mitte – und fertig ist der Hut, der sofort ein interessantes Konterfei zaubert. Den man auch wirklich vielseitig tragen kann, egal ob zum Kleid, zum Anzug, zum Kostüm oder zu Casual Wear & Jeans. Ich bin gespannt, was mir Schwesterlein mitbringt.. meinen Kopfumfang habe ich ihr vorsichtshalber mal mitgeteilt!

In der Maultaschenfabrik in Ecuador – Quatsch! Hier werden Hüte gemacht – Panama-Hüte!
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Hier liegen geflochtene Panama-Fladen, die später weiter verarbeitet werden. Zum Beispiel für die Taschen braucht man eher so gerade Stücke. Die Hüte wiederum müssen aus diesen geraden Teilen erst geformt werden. Dafür gibt es Hutformen, mit denen man unter Zuhilfenahme von Dampf und Druck aus so einem geraden Lappen einen schneidigen Hut basteln kann.

Resteverwertung: aus den feinen Geflechten werden noch Ansteckblumen gebastelt
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Auch aus den Zuschnittresten lassen sich noch Accessoires herstellen, wie beispielsweise diese Ansteckrosen, mit denen man entweder die Hutkrempe bepflanzen kann oder den Balkon das Dekolleté.

Färbebad für Hüte bzw. Strohgeflechte
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Manche mögen ja ihren Hute auch lieber farbig, deswegen gibt es diese großen Pötte, in die man entweder die Strohgeflechte oder aber die fertigen Hüte schmeißt und sie anschließend in der hoffentlich gewünschten Farbe wieder herausfischt. Wegen mir müsste man die Hüte nicht färben, ich käme auch mit so einem gebleichten Panama-Hut gut zurecht. Hauptsache das Hutband passt farblich…

Unter Dampf und Druck werden die verschiedenen Hüte modelliert.
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Hier im Regal stapeln sich die Hutformen für unterschiedliche Stilrichtungen. Ich könnte mir vorstellen, dass hier auch der eine oder andere prominente Kunde seine ganz eigene Form hat, die stets nur für seine Hüte verwendet wird.

Verschiedene Formen für unterschiedliche Hutmodelle
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

In der Näherei werden dann die Krempen noch sauber abgeschlossen, damit das gute Stück nicht direkt am Kopf wieder in eine Einzelteile zerfällt. Es gibt natürlich auch Hutmodelle, die eine offene Krempe haben und wo es zum Stil gehört, die Fransen zu zeigen. Aber vielleicht näht man da auch relativ unsichtbar noch einmal um die Krempe, damit das Zeug auch hält.

Hier rattern die deutschen Singer-Nähmaschinen
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Hier unten sieht man nochmal so eine Dampfdruckpresse, mit der die Panamagewebe dann zu Hüten modelliert werden. Mit so einer Presse kann man sicherlich auch aus dem Stroh-Tischset von zuhause noch einen chicen Hut basteln. Und wenn man versehentlich den Daumen dazwischen bekommt, dann ist der anschließend sicherlich auch fast so breit wie ein Sombrero…

Dampfdruckpresse für Strohhüte
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

 Der Couturier für die neuen Hutmodelle scheint hier gerade Streifen aus Leder zuzuschneiden, die dann möglicherweise als Hutband weiter verarbeitet werden oder aber zu den hinten abgebildeten Taschenmodellen gehören. Vermutlich eher letzteres, da diese ja teilweise mit einem Lederrahmen gefertigt sind.

Beim Zuschnitt muss man ziemlich exakt arbeiten
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Ich glaube, ich habe die Bilder jetzt in keinerlei sinnvolle Reihenfolge gebracht. Also ich meine vom Arbeitsablauf her. Aber das macht jetzt hoffentlich nichts, das soll ja keine DIY-Anleitung zum Basteln eines Panama-Hutes sein. Wenn ihr denkt, ihr braucht so ein Teil, dann ist es sicherlich nervenschonender, einen zu kaufen. Da steckt bestimmt viel Erfahrung, Übung und vererbtes Wissen drin, um so eine Kopfbedeckung herzustellen!

The World Famoust Panama-Hut-Träger – Wo ist Humphrey Bogart?
Foto: Nerakel von Liebstöckelschuh

Hier oben sehen wir noch eine Galerie der berühmtesten Panama-HutträgerInnen. Den einen oder die andere erkenne ich sogar und es gibt wohl tatsächlich für jeden Kopf den passenden Deckel!

Wer noch mehr wissen möchte, der kann sich hier noch die beiden unten eingefügten Videos anschauen. Einmal von einer bekannten Manufaktur in Ecuador, ist zwar in spanisch, aber wenn man das nicht versteht, dann kann man den Film auch als Stummfilm betrachten und bekommt trotzdem eine Menge mit.

Das zweite Video scheint von einem englischen Herrenausstatter zu sein, der vorführt, wie man den Panama-Hut artgerecht zusammenrollt und in eine Papprolle zum transportieren steckt. Das sollte man aber nicht über einen längeren Zeitraum machen, da der Hut sonst irgendwann mal brüchig wird bei unserer hiesigen vergleichsweise geringen Luftfeuchtigkeit.

So, jetzt habe ich mich mal wieder richtig ausgetobt zum Thema „Die schönsten Mitbringsel aus Ecuador“ und ich hoffe, ihr wisst jetzt, was einen guten Panama-Hut ausmacht! Würdet ihr mit so einem Hut rumlaufen? Oder besitzt ihr gar schon einen und seid damit der Star auf jeder Sommerparty? Verratet es mir in den Kommentaren!

Und noch ein Hinweis in eigener Sache: Gesucht wird Paul #Rabtopus, der entweder auf der Flucht ist, gekidnapped wurde oder sich irgendwo verlaufen hat. Auf jeden Fall ging er in Ecuador am Chimborazo abhanden bzw. wurde dort das letzte Mal gesehen. Wer sachdienliche Hinweise hat oder bei der Suche helfen möchte, der möge sich bitte das hier durchlesen! Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!

3 KOMMENTARE

  1. Das war mal ein schöner Einblick hinter die Kulissen. Einen Hut habe ich (noch) nicht, aber du hast mir gerade Lust darauf gemacht! Sind ja nicht so günstig, aber immerhin Handarbeit! Sieht man ja heute leider eher selten.

  2. Hutträger bin ich eigentlich auch nicht, aber wenn ich mir die Wal of Fame so anschaue, dann sollte wirklich jeder einen Hut besitzen, vor allem aber einen Panama-Hut.

    Ich bin gespannt, ob du auch bald stolze Trägerin sein wirst.

    LG Romy

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