Dieses Jahr war mein Besuch eher von kurzer Dauer. Mal eben kurz Freitagabend am Mozartplätzle verweilt, weil klugerweise genau hier der Treffpunkt für die Eltern heimkehrender Geburtstagspartygäste war. Damit wurden die Eltern schon zwangsweise dazu verdammt, ein paar Stunden auf dem Feste – vielmehr am Rande des Festes – auszuharren. Die Kids hatten selbstverständlich ihren Spaß. Die Eltern versuchten zu konversieren (id est „Konversation machen“).

Ich hatte das maßlose Vergnügen, einem klinischen Psychiater gegenüber zu sitzen, der dann auch gleich neurologische Fallbeispiele aus der Praxis direkt auf dem Festplatz erläutern konnte. Psychiatrie und Neurologie liegen ja unter Umständen eng beieinander. Zumindest weiß ich von einigen Pharmareferenten, dass Neurologen und Psychiater oft in Personalunion anzutreffen sind.

Der erste Tag des Heusteigviertel Straßenfestes endete dann auch ganz entzückend. Um halb elf waren wir endlich zuhause (für die Norddeutschen 22:30 Uhr) und konnten uns auf den nächsten Tag freuen.

Samstag begann dann erstmal ganz verheißungsvoll mit grauem Himmel, der sich dann irgendwann in stundenlangem Immerwiederregen entlud und ich hoffte schon, dass es sich so richtig gemütlich einregnen würde. Nicht nur ich hoffte das. Aber leider war dann ab dem spätem Nachmittag die himmlische Inkontinenz beendet und die Besucherscharen schlichen aufs Heusteigviertelfest.

Wir unternahmen ein bis zwei Versuche, dem Heusteigviertelfest heuer etwas abzugewinnen. Leider vergeblich. Das Angebot der Stände war nicht gerade das, was man unbedingt haben musste. Die Preise sowieso nicht. Ganz entzückend waren die Stände, bei denen man versucht hat, das gesamte Viertel einer Rauchvergiftung zu unterziehen. Vorne auf dem Mozartplatz beim Olivio und mitten auf der Straße gegenüber vom Omario konnte man fette Rauchschwaden gen Osten, Westen, Süden und Norden ziehen sehen. Das sah übrigens nicht nur ich…

Direkt an unserem Haus war mal wieder die stets Begeisterung erweckende „Kultur“bühne aufgebaut. Gesang wird nicht dadurch besser, dass man die Verstärker volle Kanne aufdreht! Ich erinnere mich noch an einen Neger (Gruß an Frau Schröder!), der vor ein paar Jahren hier auftrat und nicht nur das gesamte Viertel beschallte, sondern der auch noch bequem von Stadtmitte aus zu hören war…

Solche Ausmaße hatte es zwar diese Jahr nicht, aber anyway, es nervt einfach, wenn die Band mehr oder weniger im Wohnhaus spielt, das auch noch aus gut leitendem Beton gefertigt ist. Der Mensch, der hier die Hausverwaltung macht, aber nicht hier wohnt, hat großzügigerweise seine Garage zur Verfügung gestellt. Morgen werden wir ihm dann mal erzählen, wie reizend das von ihm ist. Nachdem übrigens eine herzkranke ältere Dame die Band nach 22 Uhr um Mäßigung der Lautstärke gebeten hatte und ihr dies auch zugesagt wurde, haben die natürlich genauso laut oder lauter weiter gespielt – bis es fast Mitternacht war.

Heute war dann der krönende Abschluss mit Flohmarkt entlang der ganzen Straße. Dieses Mal ohne verstärkte Live Musik. Aber dafür wurde der komplette Hauseingang zugebaut. Ich weiß gar nicht, wofür manche Leute ein Hirn haben oder ob sie überhaupt eines haben! Es kann ja wohl nicht sein, dass man sich x Laufmeter Flohmarktplatz kauft und denkt, man kann bei der Gelegenheit auch gleich komplett fremde Hauseingänge zumüllen! Oder denke ich da zu konservativ? Die Klientel, über die ich mich hier gerade aufrege, ist dann übrigens von der Sorte, die immer Wert auf Toleranz legt – aber nur solange sie nicht selbst tolerant sein müssen – zum Beispiel gegenüber der Ablehnung ihrer Occupation fremden Besitzes durch die Eigentümer…

Es geht mittlerweile immer mehr Anwohnern das Ausmaß des Festes massiv auf den Keks. Manche, die es sich leisten können, flüchten einfach. Andere müssen notgedrungen verharren und diesen Lärm, kotzende und betrunkene Festbesucher, belagernde Flohmarktverkäufer etc. ertragen.

Meine Planung für die nächsten Tage steht auf jeden Fall fest. Schaumermal…
  

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