Was für ein Tag

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Der heutige Tag wird mir in mehrfacher Hinsicht bestimmt im Gedächtnis bleiben. Es fing gleich morgens damit an, dass irgendwann gegen kurz nach fünf oder so ein Kind in mein Bett gekrochen kam und mich verpennt und mit leichter Panik in der Stimme fragte, ob wir den Wecker überhört hätten. Nein, hatten wir nicht. Also konnte das Kind seelenruhig neben mir weiterschlafen und ich war wach. Macht ja nix, Morgenstund‘ soll ja angeblich Gold im Mund haben.

Als der Wecker dann endlich anfing zu piepsen, befand sich das Kind im gar allerliebsten Tiefschlummer, während ich schon mal alles vorbereitete um den Nachwuchs in die Schule jagen zu können.

Auf dem Weg dorthin war es verdammt ruhig, so dass uns schon Zweifel daran kamen, ob überhaupt Schule ist oder vielleicht doch Brückentag. Das hatten wir die letzten beiden Jahre immer und sobald man sich nach anfänglichem Wundern daran gewöhnt hat, fallen sie wieder weg. Das verstehe wer möchte…

Zuhause dachte ich dann, ich mache einen leckeren Kuchen nach einem Rezept, was mir neulich per Newsletter begegnete. Das hatte sich für mich irgendwie gut schmeckend angehört, auch das, was ich so in den Kommentaren gelesen hatte von denjenigen, die diesen Kuchen schon ausprobiert haben. Aber die Enttäuschung war groß. Scheint wohl so zu sein, dass die meisten Leute wirklich nicht mehr wissen, was gut schmeckt und was einfach nur künstlich bis bescheiden mundet. Rezept gestrichen, machen wir nicht mehr. Einzig der Kuchen sah fotogen aus, wenigstens was!

Zwischendurch dann ein paar Besucher und Aufmerksamkeiten in Empfang genommen, zwei Artikel geschrieben und rausgejagt, mich über die Anfrage der Presseabteilung von einem Milchproduktehersteller gefreut, dass sie mir ein paar Joghurts zum verkosten vorbei schicken wollen.

Dann, als das Kind von der Schule da war, statt Mittagessen Kaffee und Kuchen zu uns genommen, in trautem Kreise ganz familiär und ungezwungen. Ab diesem Zeitpunkt gewartet auf den versprochenen Anruf, wohl wissend, dass dieser möglicherweise gar nicht kommen würde. Vor lauter Ungeduld des Kindes dann schon mal in Richtung City marschiert und bei der Gelegenheit einen neuen Laden entdeckt, der ausgerechnet heute auch noch Neueröffnung feierte. Hübsche Sachen gibt es da, alles um das Wohnen etwas origineller zu gestalten.

Die Zielperson dann selbst angerufen, einen Treffpunkt ausgemacht und dann einen peinlich berührten Schreck bekommen. So schlimm hatte ich die Person gar nicht in Erinnerung. Warum muss man sich eigentlich so dermaßen gehen lassen? Selbst dem Kind fiel es auf. Trotzdem zusammen etwas essen gegangen. Da wo man uns nicht so kennt.

Anschließend wieder den Heimweg angetreten und bei der Gelegenheit einem Großaufgebot von Feuerwehr, Rettungswagen und Notärzten begegnet, die gerade von der Feuerwache 1 in Richtung City starteten. Zuhause nur kurz pausiert und irgendwie zog es uns doch noch einmal nach draußen.

Also wieder losgezogen in die Innenstadt Richtung Schlossplatz. Da fuhr dann auch schon ein schwarzer Leichenwagen eines bekannten Bestattungsinstitutes an uns vorbei und parkte mitsamt den vielen Feuerwehrautos, Rettungswagen, Polizeiautos und Notärzten auf dem Schlossplatz vor dem Abgang zur Stadtbahn-Haltestelle. Diese war abgeriegelt und jede Menge Menschen standen oben herum und schauten hinunter.

Ich fragte einen der Schaulustigen, was passiert sei. Eine Frau sei unter die Stadtbahn gekommen, er vermute sie habe sich das Leben genommen. Warum er das vermutet und ob es nicht anders passiert ist, das frage ich ihn nicht. Ich möchte, dass wir weiter gehen, das Kind will stehen bleiben. Mit Beharrlichkeit kann ich mich durchsetzen und wir verlassen diesen Ort, bevor menschliche Überreste nach oben transportiert werden.

Hier dann die Kurve gekratzt um wieder gen Heimat zu wandern. Auf diesem Weg dann noch einen lange nicht mehr gesehenen Bekannten getroffen und kurz die relevanten News des Tages ausgetauscht.

Später dann von zwei Betschwestern in Zivil angesprochen worden, ob man noch bei einer Umfrage mitmachen möchte. Klar, warum nicht. Ich bin durchaus theologisch bewandert und kann bei der einen oder anderen Frage absolut Paroli bieten. Sie gucken sich dann mein Kind als einfacheres Opfer aus und texten es mit biblischen Schauergeschichten und Metaphern zu bis mir der Kragen platzt und ich uns von den beiden Damen loseise.

Was für ein Tag! Andere begehen solche Tage in großer Runde und zelebrieren sich selbst. Mir hingegen passieren Dinge, die so einen Tag auch erinnerungswürdig werden lassen…

Update: Laut Pressemitteilung der Polizei hat sich eine 32-jährige Frau gegen 19 Uhr vor die Stadtbahn gestürzt und sich dabei tödliche Verletzungen zugezogen. Nur wenig später in der Nacht zum Samstag ist in Vaihingen dann noch eine Jugendliche ums Leben gekommen und zwei Mädchen wurden schwer verletzt, als sie auf dem Vaihinger Bahnhof auf abgestellten Waggons herumkletterten. Dabei entstand ein sogenannter Lichtbogen, den das eine Mädchen nicht überlebte.

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