Bin ich heute eigentlich mit dem linken Fuß aufgestanden?

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Wenn ich jetzt versuche mich daran zu erinnern, welcher Fuß heute zuerst den Fußboden berührte, als ich aus dem Bett sprang wie ein luftleerer Badeball, dann weiß ich es nicht mehr wirklich. Aber so rein logisch geschlussfolgert muss es der linke gewesen sein.

Wie sonst sollte ich mir erklären können, dass es heute morgen schon postfrühstückliches Affentheater gab, weil es draußen Bindfäden regnete und das Kind eben nicht die neuen Schuhe anziehen konnte, die es seit gestern besitzt und die ich vorher nochmal ablichten wollte, bevor sie aussehen, als hätten sie einen Gewaltmarsch durch die Sümpfe Ost-West-Sibiriens hinter sich gebracht.


Dank meiner gnadenlosen Ruhe und meiner Konsequenz wie beinhartes Brot haben wir den ersten Konflikt heute morgen ohne große Folgeschäden überstanden, wenn man mal davon absieht, dass ich zur schlimmsten Mutter überhaupt gekürt wurde und ähnlich nette Schmeicheleien zu hören bekam, deren wortgetreue Wiedergabe hier meine gute Erziehung verbietet.

Kaum war das Kind endlich in der Schule, musste ich mich auf dem Weg zur Shoppingtour (shoppen = Milch, Butter, Brot und andere chice Sachen kaufen) über sture Mutterkühe aufregen. Mutterkühe deswegen, weil sie rumstehen wie die heiligen Kühe Indiens: mitten im Weg, am besten an einer Stelle an der es sowieso zu eng ist, weil irgendein ohne eine Extraportion Hirn gesegneter Mitmensch genau da noch ein Fahrrad oder seine Vespa abgestellt hat, und ohne auch nur einen Milimeter zur Seite zu rücken, wenn man bepackt und beschirmt gerne den Gehweg passieren möchte. Versteht sich von selbst dass noch ein leerer Kinderwagen in der engsten Stelle steht und ein torkelndes Kleinkind mit Schirm versucht andere Passanten zu Fall zu bringen. Ich schwieg, lächelte und rammelte schwungvoll durch…

Im Büro ging es dann auch gleich weiter. Hübsche Mails von netten Leuten, denen nicht passt was ich über bestimmte Luxusprodukte, die kein Mensch braucht, geschrieben habe bzw. denen hier noch eine ausführliche Dokumentation dazu fehlt. Aber gerne doch. Warum nicht gleich ein Buch drüber schreiben? Für das bißchen Geld kann man ja auch viel erwarten. Man möchte ihnen sagen, dass sie sich eigentlich schämen sollten. Man sagt es ihnen aber nicht, sondern stellt sie vor die Wahl „Vogel friss oder stirb!“. Sie entscheiden sich für ersteres. Schön. Womit mal wieder bewiesen ist: wer sich nicht wehrt lebt verkehrt.

Und weiter ging’s dann direkt mit einer Telefongesellschaft, die offensichtlich große Probleme hat, Anschlüsse auseinander zu halten, die beide auf den gleichen Namen lauten, dummerweise die gleiche Straße mit unterschiedlichen Hausnummern haben und letztendlich in zwei verschiedenen Orten ansässig sind. Also zum Beispiel zweimal ein Peter Mustermann, einmal Musterstraße 20 und einmal Musterstraße 30 in entweder 12345 Musterstadt oder 12555 Musterlingen. Alles nicht so einfach…
Also zunächst mal telefonisch ordentlich Dampf gemacht und nachdem das noch nicht den gewünschten Effekt brachte, direkt in eine der Zweigniederlassungen gegangen und einem Mitarbeiter eingeheizt. Ich war heute richtig in Fahrt, ich hätte sicherlich noch größere Dinge bewegen können wie beispielsweise die Übernahme des Präsidentenamtes oder wenigstens heute direkt Bundeskanzlerin aufgrund eigenen Beschlusses werden. Aber vielleicht werde ich das heute abend noch in die Wege leiten. Schaumermal.

Ich bin wirklich gespannt, ob ich heute noch ein paar Aufgaben zu lösen habe, solange ich so schön unter Dampf und Hochdruck stehe. Offensichtlich lassen sich auf diese Art bestimmte Dinge besser zur eigenen Zufriedenheit lösen als wenn man sanftmütig und gelassen an die Sachen ran geht.

Was habt ihr für Erfahrungen gemacht? Könnt ihr eure Wünsche durchsetzen oder Reklamationen schnellstens zu eurer Zufriedenheit abwickeln, wenn ihr lieb und nett seid oder wenn ihr wie ich heute mit dem linken Fuß zuerst aus dem Bett gehüpft seid?

4 Kommentare

  1. Wahrscheinlich bist nicht DU mit dem linken Fuß aufgestanden, sondern all die anderen! Bemerkenswert, wie du dich bi dem Kinde hast durchsetzen können, schade nur, dass dieses irgendwann mal dein Altersheim aussuchen wird 😉
    LG
    Sabienes

    • Damit es mir heute nicht besser geht, hat mein Unterbewusstsein vermutlich heute nacht beschlossen, ab 2 Uhr Schlafpause einzulegen… dafür wandle ich heute mit schlafwandlerischer Sicherheit völlig desorientiert durch die Gegend… ob das schon der senilen Bettflucht zuzuschreiben ist?
      LG
      Sabine v. Liebstöckelschuh

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