Der Beginn eines wundervollen Arztromans

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Seit Mittwoch ungefähr gehe ich einer meiner Lieblingsbeschäftigungen nach. Ich renne von Mediziner zu Mediziner und jage einem Phantom hinterher. Nicht ganz, aber fast – zumindest kommt es mir so vor.

Das Kind zeigt seit einem geraumen Zeitabschnitt ein bestimmtes Symptom, das wunderbar herrlich harmlos sein könnte, mittelmäßig schwerwiegend oder aber verdammt miserabel für den weiteren Verlauf seines Lebens. Die Wahrscheinlichkeit nimmt in genau dieser Reihenfolge exponential ab, dass es etwas lebensbeeinträchtigendes sein könnte. Aber es könnte.

Und genau deswegen sollte man dieser Sache nachgehen – meinte nicht zuletzt auch Anfang des Jahres die Kinderärztin und drückte uns die Überweisungen zu zwei Fachärzten in die Hand. Es hat dann ja auch nur ein paar Wochen gedauert, bis wir dort einen Termin wahrnehmen konnten, allerdings nur beim einen Facharzt, der zweite sollte Mitte April besucht werden.

Also gingen wir vergangenen Mittwoch zum ersten Facharzt, ließen dort ein paar Untersuchungen machen und alles war super. Man nahm dann sogar Abstand von der zunächst vorgesehen längeren Untersuchung, da ja alles so in Butter war. Also wieder glücklich, strahlend und erleichtert nach Hause gegangen.

Tags drauf, gleich vormittags, das gleiche Symptom, weswegen wir beim Facharzt waren. Dort angerufen, mit dem Arzt gesprochen und gleich in die Praxis bestellt worden. Also doch die längere Untersuchung angesagt gewesen. Am nächsten Tag die Auswertung mit dem Ergebnis, dass da jetzt der andere Facharzt ran muss, weil die jetzigen Ergebnisse alle sehr super sind und keinerlei Auffälligkeiten zeigen. Da es aber Freitag war, der zweite Facharzttermin erst Mitte des Monats stattfinden sollte, wurde ich so ganz harmlos gefragt, ob es mir etwas ausmachen würde, diese Untersuchungen gleich in der Klinik machen zu lassen. Es sei zwar Wochenende, aber…

Ich dachte nicht groß nach, sondern teilte die Ansicht, dass man in einer akuten Symptomphase gleich die nächste Untersuchung anschließen sollte. Klar. Sonst sind wir dann in einer Phase ohne Symptome beim Facharzt und der wundert sich nur, warum wir da sind. Also Klinikeinweisung am Freitag fürs Kind.

Dort fragte man mich dann, nachdem wir unsere Geschichte ca. 5 verschiedenen Personen, angefangen von der Hilfsschwester über dem AIP bis hin zum diensthabenden Stationsarzt allen erzählt haben, ob ich denn auch ein Bettchen in der Klinik haben wolle. Ich fuchtelte hinter dem Rücken meines Kindes herum, verdrehte die Augen und gebot der fragenden Schwester Einhalt. Was soll der Quatsch? Mein Kind ist schließlich kein einjähriger Hosenkacker mehr.

Dass dies die richtige Entscheidung war, merkte ich, als uns das Zimmer zugewiesen wurde. Wie schrecklich! Drei Kinder und zwei Mütter. Wenn ich noch mit eingezogen wäre, wären wir zu sechst in einem Zimmer gelegen, was von dem Quadratmetern pro Person mit Sicherheit mit der Belegung von Legebatterien zu vergleichen gewesen wäre. Grauenvoll. Und dann auch noch altersgemischt, so dass so gut wie gar keine gemeinsamen Interessen da sein könnten, die den Kids den Krankenhausaufenthalt erträglicher machen könnten.

Ich war also die letzten Tage in erster Linie damit beschäftigt, zwischen Wohnung und Krankenhaus mehrmals am Tag hin und her zu pendeln, zwischendurch die Katzen meiner ebenfalls im Krankenhaus liegenden Freundin zu versorgen und nebenher eben noch meine Tochter bei Laune zu halten, die nicht so recht verstehen wollte, warum sie eigentlich jetzt dort ist. Gut, die eine oder andere Untersuchung lässt sich nunmal besser in klinischer Umgebung machen als ambulant. Das verstehe ich durchaus, aber sie eben noch nicht. Problematisch ist momentan nur, dass Wochenende ist und da keine Untersuchungen stattfinden, es sei denn man wird als Notfall eingeliefert. Also liegt man ein paar Tage einfach nur rum und langweilt sich nebenher zu Tode.

Heute dann ein Lichtblick. Ein Neuzugang in ihrem Alter. Wie schön, was haben wir uns gefreut – nicht nur meine Tochter und das Mädchen, sondern auch die beiden Mütter waren überglücklich, dass die Kids sich gleich so gut verstanden haben und miteinander schnattern konnten wie die Gänslein.

Die Freude wurde meinerseits dann jedoch bald getrübt, nämlich als ich erfuhr, dass die neue Zimmernachbarin leider unter anderem mit parasitären Kriechtierchen infiziert war. Zwar jetzt auch medikamentös behandelt, aber nicht unbedingt kein Überträger mehr. Nach dem Krankenhausbesuch las ich gleich das halbe Internet leer um alles über die Inkubationszeit, Brütezeit und Übertragungsmöglichkeiten dieser entzückenden Tierchen zu erfahren. Erfahrungsgemäß kann man Kindern noch so oft sagen, sie sollen sich die Hände waschen, nichts von anderen essen und auch nicht so engen Körperkontakt suchen – wenn die Sympathie einmal da ist, dann werden womöglich auch die einen oder anderen Wurmeier miteinander geteilt…

Ich rief dann abends nochmals auf der Station an und fragte, wie sehr denn die Ansteckungsgefahr noch gegeben sei. Leider konnte mir die Schwester auch nichts wirklich aufschlussreiches erzählen, außer eben, dass sie davon ausgehen, dass da nichts mehr passieren könne. Aber warum bekommt das andere Kind dann eigentlich eine eigene Toilette, wenn da nichts mehr übertragbar ist?

Am liebsten würde ich gleich nach dem KH-Aufenthalt mal eine prophylaktische Wurmkur verabreichen, frei nach dem Motto: Gefahr erkannt – Gefahr gebannt.

Jetzt hoffe ich natürlich ganz stark, dass ich das meinige Kind nicht erkrankt, infiziert und verseucht aus dem Krankenhaus zurückbekomme. Oder heißt dieser Ort des Grauens deswegen KRANKENhaus, weil man da bestimmt krank heraus kommt!?

 

2 Kommentare

  1. Oje, ich hoffe, deine Tochter darf bald wieder heim und zwar ohne so ein "Krankenhausmitbringsel".
    Sei froh, dass dir die Legebatterie erspart geblieben ist. Erinnert mich an frühere Zeiten, als mein Sohn noch klein war. Ich habe Wochen dort verbracht. FURCHTBAR.
    Alles Gute für euch
    Dorle aus S.

    • Ja, das hoffe ich allerdings auch, dass sie möglichst bald und ohne Mitbringsel wieder zuhause ist. Das glaube ich, dass es FURCHTBAR sein muss, auch noch Wochen zusammen mit dem Kind im KH zu "wohnen" – einer Zimmergenossin meiner Tochter geht es gerade genauso. Sie sind schon seit 4 Wochen im KH – das Kind ist aber noch sehr jung, insofern natürlich verständlich, dass die Mutter dabei ist.
      LG
      Sabine v. Liebstöckelschuh

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