Seit einiger Zeit muss ich mir von meiner kleinen Motzkuh Tochter immer wieder schwere Vorwürfe anhören wegen der Phantasielosigkeit des von mir kreierten Pausenbrotes. Ich geb ja zu, ich bin da in den letzten Wochen wirklich etwas zu sehr eingefahren gewesen und habe das Pausenbrot immer nach Schema F gebastelt.

Ein Brot (aber Abwechslung in den Sorten) belegt mit Schinken, gekocht oder geräuchert oder Käse in Variationen und ein Stück Obst, meistens Äpfel unterschiedlicher Sorten (der Kenner merkt hier den Unterschied) oder auch mal Bananen oder Mandarinen. Eben all das, was der Winter so hergibt. Ich kaufe zum Beispiel keine Erdbeeren im Winter und auch keine Weintrauben.


Wenn ich an meine Schulzeit denke, dann war das meistens ein mit Butter bestrichenes Schwarzbrot und ein Apfel – das alles hinterließ bei mir einen bleibenden olfaktorischen Eindruck, vermischt mit dem Duft von alten Schulbüchern und dem muffigen Geruch eines ledernen Schulranzens, wahlweise kombiniert mit dem Hauch von Buttersäure aus alten Turnschuhen. So. Das war wirklich nicht lecker. Deswegen sind mir die Beschwerden meiner Tochter auch nicht wirklich einleuchtend.

Egal, ich habe sie mir angehört, unter anderem, dass die anderen Kinder viel bessere Sachen dabei hätten. Ich weiß, das Gras beim Nachbarn ist immer grüner und die Kirschen sind grundsätzlich süßer. Also, andere Kinder bekämen durchaus auch mal die kalten Reste vom warmen Abendessen des Vortages mit – sehr lecker, wenn ich mir so eine kalte Pizza zum zweiten Frühstück vorstelle oder kalte Linsen oder kalte Maultaschen…

Aber bitte, wenn Madame das so will, dann werden wir doch guten Willen zeigen und etwas zum Abendessen machen, was sie dann getrost am nächsten Tag kalt mit in die Schule nehmen kann: Muffins!

Und zwar Muffins mit Champignons, keine süßen Muffins, so weit geht dann das Zugeständnis nicht! Also habe ich am Sonntagabend nach unserem Ausflug noch Champignon-Muffins gebacken. Die gab es dann zum Abendessen warm mitsamt einem kühlen, frischen Salat und am nächsten Tag zwei davon als Schulvesper, kombiniert mit Salatgurke, damit wenigstens auch noch etwas frisches dabei ist.

Kind war zufrieden und ließ sich die folgenden Tage wieder problemlos ein Standardfrühstück einpacken – derzeit Dinkelbrot mit Sonnenblumenkerne bestrichen mit Frischkäse und einen geachtelten Apfel!

Für alle, die gerne die Champignon-Muffins nachbacken wollen, hier noch das Rezept:

Für 12 Stück in EU-Normgröße brauchen wir außer einem mit Papierförmchen ausgelegtem Muffinblech

4 Lauchzwiebeln in Scheibchen geschnitten
2 Zehen Knoblauch kleingehackt
250 g Steinchampignons geputzt und geschnitten
ein gutes Stück Knoblauchbutter
Salz, Pfeffer, Zitronensaft
eine halbe Packung gemischte TK-Kräuter (wer Lust hat, kann auch selber hacken)


80 g flüssige Butter
230 g Mehl
2 TL Backpulver
1 TL Salz
etwas Zucker
2 Eier
1/4 l Buttermilch

6 halbierte Cherrytomaten (also 12 Hälften)

Zuerst einmal die Lauchzwiebeln in der Knoblauchbutter kurz andünsten, dann die Champignonscheiben dazu geben und weiter dünsten. Die verkleinern sich bald sehr stark, nämlich sobald das Wasser ausgetreten ist. Dann den Knoblauch dazu geben, kurz weiterdünsten und dann den Topf von der Flamme nehmen. Jetzt einen Schuss Zitronensaft nach Geschmack dazu geben, salzen und pfeffern und die Kräuter untermischen. Etwas abkühlen lassen und nun mit dem Teig beginnen.

Dazu vermengen wir erst das Mehl mit dem Backpulver, dem Zucker und dem Salz. In einem anderen Gefäß vermischen wir die flüssige Butter mit den Eiern und der Buttermilch und jubeln das ganze dann der mehligen Mischung unter.

Anschließend heben wir die Champignons unter die Masse und füllen dann auch schon flugs die mit Papierhäubchen ausgelegten Muffinmulden auf dem 12er Blech. Zur optischen Verschönerung kommt auf jeden Muffin noch eine halbe Kirschtomate. Der Ofen ist selbstverständlich schon auf 180 ° C vorgeheizt, das Blech auf die mittlere Schiene gesetzt und ca. 20 – 25 Minuten gebacken, je nach gewünschtem Bräunungsgrad. Eventuell noch die Garprobe mit dem Zahnstocher machen – wenn beim reinpieksen kein Teig mehr am Holz hängt, dann sind die Dinger fertig.

Rausnehmen, sich dabei die Finger nicht verbrennen, auf dem Teller zusammen mit dem Salat servieren, den man während der Backzeit gebastelt hat.

Die erkalteten Muffins am nächsten Tag dem Kind als Vesper mitgeben…

 

9 KOMMENTARE

  1. Da kommen bei mir auch Erinnerungen hoch wie Apfelschnitze mit Leberwurstgeschmack…
    Ja, und es gibt wirklich Kinder, die kalte Maultaschen! zum Vesper mitbekommen. Uaahh.
    Kalte Pizza geht ja noch einigermassen.
    Die Idee mit den Muffins gefällt mir gut. Ist echt mal was anderes und schmeckt bestimmt lecker.
    Dorle

    • Oh ja, Apfelschnitz mit Leberwurst – jetzt, wenn ich das bei dir lese, ist die Erinnerung auch bei mir wieder da – eine echte Delikatesse ^^
      Manche Kids bekommen auch Schokocroissant mit einem Schokoriegel mit – ist aber sicherlich auch nicht das, was ich meiner Tochter antun möchte, auch wenn sie es wahrscheinlich als einen Vorteil betrachten würde…
      LG
      Sabine v. Liebstöckelschuh

  2. Also kalte Maultaschen sind lecker, vorausgesetzt sie waren vorab nicht in einer Brühe 😉 Das ess ich manchmal abends vor dem Fernseher, wenn ich keine Lust auf Chips hab.
    Sabine, du könntest dir ja auch mal die Bento-Rezepte anschauen. Ist zwar meist etwas mehr Arbeit als ein simples Brot, aber das Vesper ist ausgeglichen und ausgewogen, sieht gut aus und ist gesund 😉
    Von Tchibo gibts grad einen Yoghurt-2-go-Becher (ich habs als Kind geliebt, wenn meine Mutter mir Yoghurt eingepackt hatte). Da kann man wunderbar Marmelade oder frische Früchte in den Naturyoghurt mischen 😉

  3. Also da hast du echt ne tolle Idee mit den Essen. Das sieht nicht nur witzig aus sondern war bestimmt auch lecker.
    Kinder können oft so ehrlich und offen mit ihrer Meinung sein. 🙂

  4. Die ganze Chose in Knobi-Butter anbraten, das ist ja mal eine Idee – das werde ich mir merken! 😀 Feine Sache.

    Meine "schlimmste" Erinnerung an die Schulverpflegung war das Salamibrot mit Bananenduft. Aber da war ich selbst Schuld dran, weil die Banane musste! mit in die Dose. 😉

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