Es scheint keinen besseren Einstieg fürs Schulschwimmen zu geben als ein nasskalter, grauer, elendiger Montag im Februar. Letzte Woche war zwar schon offizieller Beginn, aber lediglich fürs Trockenschwimmen, sprich man hat eine Begehung in voller Montur in ebenso volle Pulle beheiztem Schwimmbad gemacht.

Den Kinderlein wurde gezeigt, wie sie zum Schwimmbad zu gehen haben, wo sie sich umziehen dürfen, worin ihre Klamotten verstaut werden, wo die Duschen sind und wo es letztlich dann zum begehrten Nass geht.


Heute also mit Schwimmzeug im Gepäck zur Schule gepilgert. So ein paar übervorsichtige Mütter wie ich – zum Glück bin ich da nicht die Einzige – haben ihre Kids lieber in Obhut zur Schwimmhalle gebracht, statt sie alleine in Grüppchen ziehen zu lassen. Die Gegend ist nicht die allerfeinste, die Autofahrer oft durch den Lärm aus ihren aufgedrehten Boxen abgelenkt, die Testosteronhyperproduktion sorgt hier auch oft für einen etwas sportlicheren Fahrstil, dem Grundschüler nicht immer gewachsen sind.

Aus diesen guten Gründen werden die Kids – nicht alle, aber schon einige – lieber begleitet, auch wenn die Schule der Meinung ist, man könne sie durchaus alleine gehen lassen. Man möchte nichts böses unterstellen, aber kleinere Klassen sollen mitunter pflegeleichter sein.

Eine geschlagene Stunde haben die Kids Zeit dort ihre Schwimmkünste zu verfeinern. Zumindest brutto. Netto dürften es höchstens 20 Minuten sein. Sie sollen pünktlich zur vollen Stunde da sein, bis sie sich umgezogen und warmgeduscht haben, vergehen bestimmt 15 bis 20 Minuten. Und wenn sie bereits zur nächsten vollen Stunde wieder draußen sein sollen, trockengeföhnt bis in die tiefsten Haarwurzeln, dann bleibt eigentlich nur wenig Zeit um Bahnen zu ziehen oder nach Ringen zu tauchen.

Bei uns war es heute so, dass eine Mutter mein Kind mit ihrem zusammen zum Bad fuhr und ich die beiden dann abholte, und zwar per pedes. Sage und schreibe eine Stunde und fünfundvierzig Minuten hat mich diese Aktion Zeit gekostet! Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass hier zwei erwachsene Personen eingespannt sind, damit die Kids ungefähr 20 Minuten unter dem Kommando der Sportlehrerin schwimmen dürfen! Eigentlich steht das in keiner günstigen Relation! Aber derartige Lehr- und Stundenpläne können wohl nur auf der Miste von staatlich unterstützten Gehaltsempfängern wachsen…

Bis die Kids dann heute so langsam alle aus dem Bad herausgetrödelt kamen, teilweise heftig leicht bekleidet, so dass der krankheitsbedingte Schulausfall so gut wie sicher sein dürfte, dauerte es wirklich ewig! Dann sollen sie mit schwerem Schulranzen auf dem zarten Rücken und bleischwerem Schwimmzeug im Beutel den doppelt so weiten Heimweg wie normal antreten. Bleischweres Schwimmzeug übrigens deswegen, weil die Handtücher natürlich bis ans Limit mit Wasser vollgesogen sind.

Ich erinnere mich vage, in meiner Grundschulzeit auch in dieses Bad zum Schwimmunterricht gegangen zu sein. Und ich erinnere mich noch halbwegs sicher daran, dass wir immer in der Klasse mit Begleitung eines Leerkörpers zum Schulschwimmen marschierten, der uns dann auch wieder sicher zur Schule zurückbrachte.

Heute setzt man da wohl mehr auf Risiko, natürliche Auslese oder nicht ausgefüllte Zeitfenster von Eltern, die sich dann gerne auf den Weg machen, um den Kindern einen sicheren Weg zum Schwimmbad und nachhause zu ermöglichen.

3 KOMMENTARE

  1. Oha… ihr müsst selber dafür sorgen, dass die kleinen Zwudschgerl (hach, ich liebe dieses Dialektwort) zum Schwimmbad kommen, obwohl da lauter Irre auf der Straße sind?

    Bei uns war (und ist) das zum Glück anders, wir mussten im Frühling, Herbst und Winter mit dem Bus zum Bad gebracht werden, darum hatten wir eine Doppelstunde, sodass wir mindestens 1 Stunde (meist mehr) im Becken verbrachten. Lediglich im Sommer ging es zu Fuß ins Freibad, da dauerte es etwas länger, aber dafür war das dann draußen, mit Wiese und so… leider gibt es das Kinder-Freibad mittlerweile nicht mehr, jetzt gehen die Leher mit den Kindern an den Badesee, den es zu meiner Zeit noch nicht gab… 😉

    Was ich eigentlich sagen wollte; ich würde mein Kind auch lieber bringen und Zeit verplempern, statt es alleine zum Bad gehen zu lassen…

  2. Natürlich bringe ich mein Kind so wie ein paar andere Mütter auch lieber hin. Aber wg. insgesamt 60 Minuten, die zur Verfügung stehen, ist der Aufwand doch relativ hoch. Wenn es wie bei Dir seinerzeit eine Doppelstunde wäre, dann sähe die Geschichte schon wieder ganz anders aus!

    Zwudschgerl ist in der Tat ein süßes Wort, habe ich heute das erste Mal von dir gehört/gelesen 😉

    • Aber frag mich jetzt nicht, wovon sich Zwudschgerl ableitet, das weiß ich ehrlich nicht! =P

      Bei 60 Minuten zahlt es sich wirklich fast nicht aus, da bin ich voll auf deiner Seite – aber wie gesagt, man könnte auch eine Doppelstunde darauß machen, dann hätten die Kinder auch mehr Zeit, um sich ordentlich auszutoben – ist schließlich auch ein bisschen Spaß im Schwimmbad!

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