In dieser luftleeren Zeit zwischen den Jahren und zwischen den Feiertagen, wenn viele noch zu schlafen scheinen und die Winterferien noch in vollem Gange sind, findet das echte Leben auf jeden Fall tagsüber auf den Einkaufsmeilen in den Metropolen statt.

So wie zum Beispiel seit geraumer Zeit hier in
Stuttgart. Eigentlich kann man jetzt gar nicht in die City gehen, weil jetzt alle, die zuhause geblieben sind und gerade nicht irgendwo mit ihren Skiern, Snowboards oder sonstigen hippen Schneegefährten auf dem Berg rumrutschen auch in die Innenstadt pilgern. Man sollte meinen, sie hätten seit dem ungefähr 10. Dezember 2012 doch alle ausreichend Zeit und Gelegenheit gehabt, alles Notwendige einzukaufen.

Aber nein, auch kurz vor dem Ende der Winterferien wälzen sich noch die Massen durch die Fußgängerzonen. Unsereins, der hier wohnt und hin und wieder einfach um den täglichen Bedarf zu decken die zehn Minuten runter in die City geht, fühlt sich damit manchmal regelrecht belästigt.

Sie kommen von überall her, nur fast nicht aus dem Umkreis. Man hört nicht nur sämtliche Akzente, sondern vor allem auch sämtliche Dialekte bis zu einer Entfernung von 300 Kilometern. Ja, auch von so weit her kommen sie noch und verstopfen die Fußgängerzonen. Ich hatte wirklich gehofft, mit dem Abbau der Weihnachtsmärkte würde sich das Touristenaufkommen wieder ein wenig legen.

Nichts gegen Touristen, bin ja selber auch schon manchmal einer gewesen. Aber irgendwann ist es einfach genug. Oder es sollten eben nicht alle auf einmal kommen. Ich frage mich sowieso, warum die Göppinger, Esslinger, Ludwigsburger, Böblinger, Calwer und all die anderen mit den mehrstelligen Kfz-Kennzeichen nicht in ihren Kreisstädten shoppen gehen können. Da gibt es doch meist auch so ziemlich das gleiche Angebot, da die Filialisten mittlerweile auch schon die kleineren Städtchen mit ihren immer gleich aussehenden Läden zukleistern. Und zur Not gäbe es ja auch noch das Internet…

Aber was mich heute wirklich von den Socken gehauen hat, war die Warteschlange bei Abercrombie & Fitch aka Hollister. OMG möchte man da nur noch ausrufen und die Äuglein gen Himmel verdrehen! Es ging ja nicht nur mir so, auch andere waren leicht heftigst verwundert. Wie in den ersten Zeiten nach dem Krieg, wenn es irgendwo wieder was zu kaufen gab. Oder in der DDR.

Die Leute standen wirklich einmal quer über die nicht gerade schmale Straße und machten auch noch eine elegante Hundskurve, nur damit sie in diesen unterbelichteten Laden (bezieht sich auf die Lichtquellen) mit der ohrenbetäubenden Musik (bezieht sich auf die Lautstärke) gelangen konnten, wenn dann mal wieder eine Handvoll Mädels mit fetten Tüten herauskam.

Ich könnte wetten, die ganze Meute hat dort sämtliche 100-Euro-Scheine, die sie so zu Weihnachten von den Großeltern und anderen Verwandten bekommen haben, in Sweatjacken, Jeans und Shirts investiert. Der Auslöser für den Ansturm war sicherlich der rabattierte Saisonausverkauf. Aber bei anderen Läden, die teilweise auch schon das Zeug für 50 – 70 % unter dem regulären Preis raushauen, war die Schlange noch nicht mal mit dem bloßen Auge erkennbar… Was ist nur das Geheimnis von dieser Marke!?

Und dann hätte ich da noch eine andere Frage: Wie kann man eigentlich in diesem Laden arbeiten ohne wahnsinnig zu werden? Keine richtige Beleuchtung und Dauerbeschallung in einer Lautstärke, die mit Sicherheit bleibenden Eindruck auf den Flimmerhärchen im Innenohr hinterlässt. Und das auch noch womöglich täglich 8 Stunden oder länger… 

Naja, vielleicht bin ich auch einfach schon zu alt für diesen Laden. Als ich mir den ein paar Wochen nach der Eröffnung mal angeschaut habe, hätte ich zwar durchaus das eine oder andere Stück fürs Kind gefunden. Aber ich hatte mir vorgenommen, falls ich noch ein zweites Mal reingehen sollte, nehme ich auf jeden Fall Ohrstöpsel mit und eine Taschenlampe…

Zugegeben, das Schaufenster von denen ist cool, das habe ich auch hier als Fotohintergrund verwendet!
  

1 KOMMENTAR

  1. 🙂 wenn meine Nina in Frankfurt zu Hollister geht, lasse ich sie auch immer alleine laufen, total überfüllt, stockdunkel und auch ich weiß auch nicht, ich verstehe sie da nicht. Du bist also nicht ganz alleine.

    Liebe Grüße

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