Schon seit einigen Monaten bin ich immer wieder telefonisch in Kontakt gewesen mit einem Bekannten eines Bekannten eines Bekannten. Auf deutsch: wir kannten uns eigentlich nicht, sondern haben uns auf Empfehlung am Telefon „getroffen“.

Das hatte auch einen ganz konkreten Grund: der Bekannte über drei Ecken, den ich eigentlich nicht kannte, wollte mal einen neuen Computer in absehbarer Zukunft haben. Und da mir der Ruf vorauseilt, ich würde mich zumindest besser als der Durchschnitt mit diesem neumodischen Zeug auskennen, hat es mich eben getroffen und ich darf der Berater sein.


Nun gut, jetzt haben wir seit Sommer 2012 mehrere Male telefoniert und den Kauf eines neuen Computers immer wieder erfolgreich in die ungewisse Zukunft verschoben. Ich hatte mittlerweile mehrere Zettel angefertigt mit den ganzen Soll-Bedingungen, die erfüllt sein sollten, damit das neue Gerät auch wirklich Nutzen bringt und Freude macht.

Angefangen von Webradio über Webfernsehen bis hin zu Zugriffsmöglichkeiten auf irgendwelche exotischen Knowledgedatenbanken war hier alles Mögliche vertreten. Auch die Koppelung des Fernsehers an den Computer – keine Ahnung wie das geht, da ich keinen Fernseher besitze und schon gleich gar nicht an den Rechner gekoppelt habe.

Nun denn, heute wurde es insofern dann mal konkret, als dass ich einen Lokaltermin hatte. Da ging es zum einen um die Feststellung der benötigten Kabellänge von der TAE-Dose bis hin zum PC-Arbeitsplatz und zum anderen um die Möglichkeit der Reanimierung des musealen Teiles, was da noch rumstand.

Ich staunte nicht schlecht. Da stand also tatsächlich ein original seit 1998 vergilbter PC mit Windows 98 rum. Der ließ sich laut Besitzer nicht mehr starten. Aber gerne hätte er noch so ein paar alte Daten gerettet. Und nicht mehr in Betrieb war das Teil seit 1893 2006.

Die Frage, ob man denn die Disketten zur Wordinstallation noch brauchen könne, musste ich leider mit einer abschlägigen Antwort erwidern. Auch das Tabellenkalkulationsprogramm von damals ist leider heutzutage was für die Hasen. Ich brachte das Teil doch immerhin so einigermaßen zum laufen, aber für eine Datensicherung hat es trotzdem nicht mehr gereicht.

Andererseits sehe ich es so, was man seit über 6 Jahren nicht mehr benötigt hat, wird man auch die kommenden 6 oder 60 Jahre bestimmt nicht mehr brauchen. Ist ja ähnlich wie bei den Klamotten. Also empfahl ich ihm guten Gewissens, das ganze Equipment mitsamt vergilbtem krachmachenden Nadeldrucker zu entsorgen. Und damit niemand heimlich seine Daten klaut, sollte er den Hasenstall mal aufschrauben und die Festplatte rausmontieren und die am besten noch mechanisch zerstören. Damit wären wir dann auf der ganz sicheren Seite…

Jetzt habe ich mal eben recherchiert, was es derzeit auf dem Markt an günstigen und platzsparenden Möglichkeiten gibt, zukünftig wieder am digitalen Leben teilnehmen zu können. Erschreckenderweise gibt es als Betriebssystem fast kein Windows 7 mehr, sondern fast nur noch Windows 8. Mit Linux brauche ich da gar nicht anzufangen, da sehe ich mich dann als dauernder telefonischer und persönlicher Supporter.

Jetzt stellt sich mir nur die Frage: Wird er den Umstieg von Win98 auf Windows 8 verkraften? Das muss einem Menschen, der damals sozusagen technisch stehen geblieben ist, vorkommen wie der Umstieg von der Rikscha zum Sportwagen…

Ich sehe schon geduldzehrende Zeiten auf mich zukommen.

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