Gestern abend fand der alljährliche Laternenlauf durchs Heusteigviertel statt. Für die Kids aus dem Viertel eine echte Sensation, für die Eltern eine Veranstaltung, die nicht unbedingt nur Begeisterung auslöst.

Begonnen hat der Umzug wie immer an der Römerschule, wo der Schulchor mit Laternenliedern für Stimmung sorgte. Dann ging es im Mäandermuster durchs Heusteigviertel, immer der Reiterin hinterher, die St. Martin darstellte und deren Ross wie jedes Jahr ein wenig nervös tänzelte und wieherte. Kann ich verstehen. Wenn ich das Ross wäre, würde es mir ob der vielen Fackeln und Leute genauso gehen.


Direkt hinter Ross und Reiterin dann die Fackelträger von der Freiwilligen Feuerwehr Rohracker, also Experten im Umgang mit offenem Feuer. Hofft man zumindest. Sie sorgen zum einen für die festliche Beleuchtung, zum anderen halten sie die Kids davon ab, dem Pferd von hinten unerwartet einen Klaps zu geben. Und die Polizei war natürlich auch dabei (reimt sich, und was sich reimt ist gut!) und hat dafür gesorgt, dass die Autofahrer den Umzug durch die Straßen nicht unterbrechen konnten und die vielen Kinder mit ihren Eltern ungehindert auf der ganzen Fahrbahn einher schreiten konnten.

Soweit so gut. Mein Kind traf dann in der Dunkelheit auch endlich auf halber Strecke dann seine Freundin und auf der letzten Etappe nahmen wir eine kleine Abkürzung durch unser Haus, um schneller auf dem Mozartplatz zu sein, bevor der große Andrang kommt.

Da gibt es nämlich gegen Spende zugunsten des Heusteigviertel e.V. halbe Brezeln, Kinderpunsch, Glühwein und Vanillekipferl. Die Verpflegung wird von den ansässigen Bäckern Hafendörfer und Weible und von Andreas Bloy zur Verfügung gestellt. Tochter und Freundin haben sich gleich etwas geholt und schon kam der große Andrang, wo dann Groß und Klein sich mit ihren Laternen ins Gewühle stürzen. Da bekomme ich immer leichte Beklemmungen, weil mir irgendwie das Wohlwolln für mit echtem Feuer beleuchtete Papierlaternen direkt unter meinem Hintern fehlt…

Wie jedes Jahr verdrückten wir uns auf den Spielplatz um nicht im Gewühle zu stehen und die Kids finden es gut, mal nachts auf dem Spielplatz zu sein und von oben dem Treiben zu schauen zu können. Nachdem dann das Bläser-Ensemble ein paar St.-Martins-Lieder zum besten gegeben hatte, kam die alljährliche Feuerschau vom Circus Circulli. Da bin ich immer ganz froh, wenn wir die Schau von oben anschauen können, da diese Feuerschwaden aus direkter Nähe schon ganz schön heiß sind und das Gedränge ganz schön dicht.

Nachdem wir das auch hinter uns hatten, holten sich die Kids zeitversetzt nochmal einen Becher Kinderpunsch – meinte ich zumindest. Danach gings nochmal richtig auf den Schaukeln ab und im nachhinein bin ich wirklich froh, dass alle und vor allem mein Kind auf der Schaukel sitzen/stehen geblieben ist…

Zuhause angekommen gab es den vorbereiteten Eintopf – genau richtig wenn man vom Laternenlauf zurück kommt. Nach einem halben Teller bekam mein Kind einen stieren Blick und wirkte etwas abwesend. Ich fragte, was los sei, ob es ihr nicht gut ginge. Ja, sie fühlte sich komisch. So unendlich müde. Die Arme so schwer und die Beine noch schwerer. Und essen ging auch nicht mehr, sie war nach einem halben Teller bereits satt oder wollte nicht mehr.

Da mir ihr Zustand wirklich seltsam vorkam, habe ich sie erstmal Richtung Bett bugsiert. Das Gehen fiel ihr sichtbar schwer und ausziehen wollte sie sich eigentlich auch nicht. Das übernahm ich dann. Im Bett liegend schaute sie mich so komisch an, als ob sie mich nicht richtig erkennen oder irgendwas nicht stimmen würde. Sie sah mich verschwommen, die Lampe im Flur schien sich auch zu bewegen und sie war so unendlich müde und schwer und leicht übel war ihr auch.

Ich wunderte mich gar sehr, da sie auf der Veranstaltung noch einen recht fitten Eindruck gemacht hatte und jetzt auf einmal so fertig war. Da schießen einem natürlich gleich alle möglichen Gedanken durch den Kopf, aber der realistischste schien zu sein, dass der zweite Kinderpunsch wohl kein KINDERpunsch war.

Deswegen fragte ich sie, ob der zweite Punsch komisch oder anders als der erste geschmeckt habe. Geruchsmäßig konnte ich nichts wahrnehmen, da meine Nase gerade halb im Eimer ist. Aber sie bejahte und meinte, der zweite habe in der Tat anders geschmeckt – und sie hat ihn brav ausgetrunken, obwohl sie von mir nicht dazu erzogen wird, den Teller leer zu essen oder den Becher auszutrinken!

Da sie sich wirklich elend fühlte und ich nicht wusste, wie hochprozentig dieses letzte Getränk war, blieb ich erstmal an ihrem Bett sitzen und fühlte den Puls und redete beruhigend auf sie ein, bis sie eingeschlafen war und dann ruhig und gleichmäßig atmend ihren Rausch ausschlafen konnte.

Glücklicherweise ist sie kein „Hemd“, sondern eher ein stabiles Kind, sonst wäre es ihr gestern nach einem halben Becher Glühwein oder Erwachsenenpunsch mit Sicherheit noch miserabler gegangen. Heute morgen waren dann noch leichte Anzeichen eines Katers bemerkbar, aber es ging ihr glücklicherweise wesentlich besser als gestern abend.

Ihr Vorschlag war dann noch, dass der Ausschank von Kinderpunsch und Punsch mit Alkohol eigentlich an zwei unterschiedlichen Ständen erfolgen sollte, damit es zu keinen Verwechslungen kommen kann. Und ich finde, da hat sie verdammt recht!

Ich gehe mal ganz menschenfreundlich davon aus, dass dies eine Verwechslung war. Ein normaler Mensch würde ja einem Kind niemals einen alkoholhaltigen Punsch in die Hand drücken. Die Dame, die ihr das Getränk überreicht hat, wird ja wohl keinen bösen Streich gespielt haben.

Töchterlein wird hoffentlich daraus jetzt etwas gelernt haben, nämlich dass man komisch schmeckende Getränke oder Speisen in Zukunft nicht mehr gedankenlos zu sich nimmt, sondern gleich nach dem ersten Bissen/Schluck das Zeug stehen lässt bzw. entsorgt! Oder müssen die Eltern hier etwa als Vorkoster tätig werden, damit so etwas nicht noch einmal passieren kann?

 

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