Eigentlich bin ich ja ein überzeugter Genießer von Filterkaffee der altmodischen Art, nämlich handaufgebrüht im Eintassenverfahren mit dem besonderen 3-fach Aromaschutz und der Ultra-Maxi-High Definition der gemahlenen Kaffeebohnen.

Auf gut deutsch: ich mache das ganz altbacken, koche Wasser ab, setze in der Zwischenzeit den Filter mit Papiertüte auf die Tasse, löffle den gemahlenen Kaffee hinein und gieße dann das auf exakt 98,5° C abgekühlte abgekochte Wasser langsam und gemächlich drüber. Natürlich braue ich nur tassenweise und nicht gleich eine volle Kanne im voraus.

So. Die Versuchung war aber definitiv da. Gefühlte 50 BloggerInnen aus meinem näheren virtuellen Dunstkreis haben die Ehre gehabt, Kaffeemaschinen verlosen zu dürfen. Und zwar intelligente Kaffeemaschinen, die genau wissen, wann sie Tee machen sollen oder Kakao. Und zwischendurch machen sie auch mal daneben Kaffee.

Die intelligente Kaffeemaschine liest anhand eines Strichcodes auf dem Kapseldeckel ab, was sie zusammenbrauen soll. Wenn der Strichcode sagt, das ist ein lauwarmes Weizenbier, dann wird sie das vermutlich auch hinkriegen.

Ich war wirklich versucht, bei diesen Verlosungen mitzumachen. Der Wahrscheinlichkeit nach hätte ich auch mindestens einmal eine gewonnen. Aber dann habe ich mir überlegt:

Wohin mit dem Zeug? Eigentlich ist die Ablagefläche meiner Küche schon ziemlich verplant und eigentlich habe ich außer im überfüllten Keller keinen Platz für so ein Gerät.

Wer putzt das Ding? Wo Wasser, Hitze und nachlassende Hitze, sprich Wärme, zusammenkommen und eventuell noch Milchbestandteile dazu schlüpfen, da entstehen neue Kreaturen. Schlimmstenfalls kleine graue Inseln mit Pelzbesatz und im fiesesten Fall sieht man die Kerlchen gar nicht, weil sie noch im unmaterialisierten Zustand sind. Mit anderen Worten: Man bräuchte eine Haushälterin, Ehefrau oder begeisterte Hobbykaffeemaschinensaubermacherin. Ich bin das jedenfalls nicht. Keins von den dreien.

Was kostet dann eine Tasse Kaffee? Tja, eigentlich ziemlich viel. Ok, bei einem Gewinn fallen die Anschaffungskosten für so eine Maschine flach, aber um damit überhaupt Kaffee trinken zu können und nicht nur heißes Wasser, sollte man auch die kompatiblen Pads kaufen. Und genau hier wird es dann teuer. Für über vier Euro, wenn nicht gerade knapp fünf Euro bekomme ich hier ca. 14 Tassen Kaffee – bestenfalls. Gebe ich aber den gleichen Betrag für einen hochwertigen Bohnenkaffee aus – gemahlen oder nicht – dann reicht mir dieser garantiert für die doppelte Menge, wenn nicht gar für mehr.

Ist das überhaupt noch zeitgemäß? Auch das ist so eine Frage, die sich nicht oberflächlich beantworten lässt. Dieser Kaffeekult fing meines Erachtens Anfang/Mitte der Achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts statt. Auf einmal hatte jede Familie, die etwas auf sich und ihren LifeStyle hielt, einen stinknormalen Aluminium-Espresso-Kocher zuhause, bestenfalls in 4 verschiedenen Größen um jedem Gästeaufkommen gerecht zu werden.

Diese urtümlichen Teile wurden abgelöst durch Espressokannen  von Designerqualität wie z. B. Alessi. Jetzt musste man eine Espressokanne für knappe 100 DM auf der Herdplatte stehen haben. Dann galt es als chic, eine Pavoni zuhause zu haben. Das Originalteil versteht sich, die wie ein einarmiger Bandit betrieben wird.

Wieder etwas später schwärmte jeder von seiner drei Kubikmeter großen Gaggia oder Saeco. Die Küche war voll, doch der Espresso, der umgerechnet auf heutige Zeiten ca. 20 Euro/Tasse kostete, war fantastisch – zumindest in den Augen der KaffeevollautomatenbesitzerInnen. Ich kann mich noch gut an endlose Diskussionen darüber erinnern, welche Maschine die beste Crema in Zusammenhang mit welcher Kaffeemarke fabriziert.

Und heute? Heute werden einem Kaffeemaschinen im Dutzend hinterher geschmissen, nur damit man hoffentlich die vollkommen überteuerten und völlig unnötigen Müll produzierenden Kapseln kauft. Ja sind denn die Leute zu blöd geworden, 2-3 Kaffeelöffel voll Pulver in den Filter zu kippen!?

Heute gibt es schon wieder eine Gegenbewegung. Die Extremisten dieser Bewegung rösten sogar ihren Rohkaffee selbst. Die harmloseren Anhänger schwören hingegen auf den Filterkaffee und haben ähnliche Zeremonien der Zubereitung entwickelt wie die Japaner einst bei der Teezeremonie.
Auch das ist für meine Begriffe schon wieder übertrieben. Deswegen habe ich für mich beschlossen, vorerst und die nächsten Jahre weiterhin bei der ganz klassichen Aufbrühmethode zu bleiben – solange, bis ich vielleicht der nächsten kommenden Kaffeetrendversuchung nicht mehr standhalten kann.

Und hier würde mich jetzt interessieren: Wer von euch brüht seinen Kaffee auch noch von Hand auf? Warum macht ihr das? Weil es euch besser schmeckt? Oder weil ihr kein Geld oder keinen Platz für eine Kaffeemaschine übrig habt?

3 KOMMENTARE

  1. Ich finde deinen Bericht richtig spannend. Toll geschrieben.
    Auch ich bin Besitzerin einer Tassimo, einer Senseo und hatte sogar mal einen Dolce Gusto. 3 Maschine – viel Platz. Am meisten mag ich meine Joy:))
    ABER auch wir brühen unseren Kaffee noch selbst. Wir haben da immer ein und die selben Bohnen, die wir noch selber mahlen, in einer Mühle die bestimmt 1000 Jahre alt ist*Lach* und brühen mit Porzellan Filter von der Oma:)) Schmeckt wirklich toll. Und für Latte und Co nehme ich eben gern meine Joy:))

    Lg
    Manu

    • Freut mich, dass Dir mein Blogpost gefällt!
      Du könntest ja bald ein Kaffeemaschinenmuseum eröffnen mit Deiner Sammlung 😉
      Wow, ihr mahlt auch noch den Kaffee selbst? So richtig mit der Kaffeemühle im Arm und der Kurbel in der Hand? Das hat was! Ich liebäugle nämlich seit einiger Zeit auch mit einer Kaffeemühle, vielleicht von Zassenhaus, irgendwas schönes klassisches. Das wäre doch was für den Wunschzettel 🙂

      LG
      Sabine v. Liebstöckelschuh

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