Vergangene Woche gab es endlich Gelegenheit zu sehen, was aus den Reben geworden ist, die wir im Rahmen des Weinberg Seminars der Remstalkellerei bearbeitet hatten.

Seit dem Frühjahr fanden ja regelmäßig Seminarveranstaltungen statt, in denen man von der Pieke auf dabei sein konnte und den Weinberg oder die Rebe sozusagen durch das Jahr begleiten konnte.


Im März fingen wir an mit Rebschnitt, biegen und binden, dann folgten ausbrechen und blenden, Laubarbeit und heften, Qualitätsmaßnahmen und gipfeln. Und jetzt, bereits Ende September, konnte die erste Rebsorte gelesen werden.

Wir fanden uns also am Donnerstag wie verabredet um 9 Uhr an der Schnaiter Kelter ein, um dann gemeinsam in den Weinberg zu fahren. Die Nacht zuvor hatte es noch heftig geregnet bis in die frühen Morgenstunden, was unter anderem auch bei den Winzerin Corina Oesterle zu einer schlafreduzierten Nacht führte. Bei Dauerregen wäre die Lese wohl sprichwörtlich ins Wasser gefallen.

Aber wir hatten Glück, im Laufe des späten Morgens kam die Sonne heraus und wir konnten gegen 9:30 Uhr anfangen, die Trauben der Sorte Acolon zu ernten. Wir bearbeiteten immer zu zweit eine Reihe, einer die Vorder-, der andere die Rückseite. Mit uns durch die Reihen wurde ein großer Zuber gezogen, der sich ruckzuck mit jede Menge schönster blauer Trauben füllte. Am Ende einer Reihe war so ein Zuber dann wirklich randvoll und musste in einen noch größeren Behälter umgeladen werden.

Bevor wir jedoch an die Trauben durften, erklärte uns Corina noch worauf wir zu achten haben und welche Trauben wir lesen sollten bzw. welche wir den gefiederten Weinbergbewohnern überlassen durften. Zwischendurch wurden nochmals live vor Ort die Oechsle gemessen. Es hätten ein wenig mehr sein dürfen, aber von der Kellerei gab es die Vorgabe, dass es an der Zeit sei, den Acolon zu lesen. Da hängt ja auch immer jede Menge Logistik dran, so dass manchmal das eine oder andere Oechsle eben dran glauben muss, weil die Trauben nun verarbeitet werden sollen.

Auch wenn der Acolon auf einem Weinberg „light“ wächst, sprich der ist flurbereinigt und mit einer sehr gemäßigten Steigung, ist es doch eine zumindest ungewohnte körperliche Arbeit für mich gewesen und hat auch einen leichten Anklang von Muskelkater hinterlassen. Wie heftig würde dieser erst sein, wenn ich wie eine Bergziege im urtümlichen Terrassenweinberg mit halsbrecherischen Stufen unterwegs wäre!

Wir waren eine Truppe von weniger als zehn Leuten und konnten bis mittags die Ruhe und das wunderschöne sonnige Wetter im Weinberg genießen. Als wir nur noch ungefähr ein Viertel vor uns hatten, ließ ein benachbarter Winzer seine Reben mit einem Vollernter leeren. Während man bei der manuellen Lese nochmals qualitätssichernde Maßnahmen vornehmen kann wie Unterscheidung zwischen unreifen und reifen Beeren oder Entfernung von Mängeln, so ist bei dem Vollernter so eine diffizile Sortierung nicht mehr möglich. Da wird eben geerntet was nicht niet- und nagelfest ist und kein kontrollierendes Auge schaut hier nochmal drüber.

Dafür ist der Vollernter auch in einem Bruchteil der Zeit mit einem Weinberg fertig. Wie immer im Leben gibt es eben auch hier Vor- und Nachteile, die man gegenseitig abwägen sollte um sich für die optimale Lösung zu entscheiden. In extremen Hanglagen aber wird wohl immer die manuelle Ernte die einzige Option sein.

Nachdem wir dann zur Mittagszeit auch schon fertig mit dem Acolon waren, gab es wieder das obligatorische Wengert Vesper im Weinberg mit selbstgebackenem Zwiebelbrot, Käse, Wurst, Wasser und Wein sowie Kaffee und selbstgebackenen Schokoladenkuchen.

Jetzt bin ich gespannt, wann die nächsten Rebsorten gelesen werden und welche das sein wohl sind!

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2 KOMMENTARE

  1. Oh, was für ein schöner Tag! Aber mich beschleicht der Verdacht, dass der Weinbauer das nur Seminar nennt, und ihr kostenlos arbeitet. 😉
    Ich hätte es aber auch gemacht, gäbe es bei uns Wein. Hier wachsen nur Bier-Beeren. Viele liebe Grüße, Bier…äh..Bärbel

    • LOL, Bärbel… ein Schelm wer böses denkt 😉 … aber dann müssten bestimmt mindestens zehn Seminare parallel laufen, damit sich das lohnt!
      Hier gehen übrigens viele Leute einfach so zur Weinlese und freuen sich, dass sie in der Natur sind und einer gesellige Beschäftigung an der frischen Luft nachgehen. Ist wie Gartenarbeit im Team mit anschließendem Vesper und viel guter Stimmung!
      Bierbeeren sind natürlich auch nicht schlecht …
      LG
      Bine

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