Nachdem wir heute erfolgreich den Auf- und Abstieg der Türme zur Stadtkirche St. Dionys geschafft hatten, mussten wir erstmal eine kleine Pause zur Stärkung in einem Café am Rathausplatz einlegen. Nachdem sich der Pudding in den Knien einigermaßen stabilisiert hatte, machten wir uns dann auf zur 15-Uhr-Führung zur Sektkellerei Kessler, die in direkter Nachbarschaft zur Stadtkirche liegt und Deutschlands älteste Sektmanufaktur ist.

Wir hatten uns wohlweislich vorher schon Einlasskarten geholt, denn die Führungen sind hier ruckzuck ausgebucht. Und wir hatten Glück, dass diese 15-Uhr-Veranstaltung noch zusätzlich eingebaut wurde, eben um den enormen Andrang abzufangen.

Pünktlich ging es dann los und wir wurden gleich mal in den Keller geführt, da wo palettenweise Sektflaschen gelagert werden. Hier erzählte uns Eberhard Kaiser, Leiter der Unternehmenskommunikation für Kessler, jede Menge interessante Geschichten über die Bausubstanz des historischen Gebäudes, das ursprünglich unter dem Namen Speyrer Pfleghof geführt wurde und in direktem wirtschaftlichem Zusammenhang mit der Stadtkirche St. Dionys stand.

Es ging übrigens bei dieser Besichtigung nur nebensächlich um den Sekt, der hier gekeltert, geschüttelt und verkorkt wird, sondern hauptsächlich eben um das historische Gebäude, in dem mittlerweile die Sektkellerei Kessler untergebracht wurde.

Nach der ersten Etappe ging es direkt weiter in die Gewölbekeller. Hier musste ich sofort an Edgar Allen Poe’s Fass von Montillado denken. Der Gruselfaktor war auf jeden Fall da, dunkle Gewölbekeller, kühle Luft, spärliche elektrische Beleuchtung und jede Menge flackerndes Kerzenlicht, das hier unten natürlich benötigt wird um zu sehen, ob der Sauerstoffgehalt in der Luft noch akzeptabel ist.

In den Rüttelpulten standen kopfüber die abgefüllten Sektflaschen, die in ihrem Leben bis zur Verkaufsreife ca. 20 mal leicht geschüttelt werden, damit sich die abgesetzte Hefe löst und verteilt. Wichtig bei der Flaschengärung nach Art des Champagners.

Aber wie gesagt, um Sekt sollte es gar nicht gehen. Vielmehr wurden uns die Zusammenhänge der baulichen Elemente sehr bildhaft und anschaulich erklärt und wir unternahmen mehrere gedankliche Ausflüge einmal quer durch Esslingens Geschichte der letzten 800 Jahre. Ich hätte gerne eine Weile noch in diesen interessanten Räumen zugebracht und in Ruhe fotografiert, aber leider war dann doch die Zeit etwas knapp und den Anschluss an die Gruppe wollte ich in diesem Labyrinth auch nicht verlieren…

Zum Abschluss dieser interessanten Hausführung landeten wir noch im ehemaligen Refektorium, also dem Speisesaal zu Zeiten als dieses Gebäude noch vom Klerus genutzt wurde und in welchem heute Gäste der Sektkellerei zu bestimmten Veranstaltungen Degustationsmenüs genießen dürfen.

Die Hausführung dauerte vielleicht eine knappe Stunde, von mir aus hätten es auch zwei Stunden sein dürfen, so interessant fand ich es! Es gibt übrigens auch die Möglichkeit, eine Kellerführung mit Verkostung zu buchen, aber dazu sollte man sich am besten direkt an die Sektkellerei Kessler wenden!

   

 

4 KOMMENTARE

  1. das freut mich ja, dass mein Tipp so gut ankam. Ihr habt ja gleich zwei schöne Dinge von Esslingen gesehen. Vor allem gleich ganz oben und ganz unten, eine schöne Mischung.
    Und zwei schöne Berichte sind das auch noch!
    Viele Grüße
    Tine

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