Blick auf Schnait im Remstal und die Kelter

Gestern war es mal wieder so weit: ein Samstagmorgen mit aufstehen in aller Herrgottsfrüh stand an, weil eben gestern der dritte Tag des Wengerter Seminars der Remstalkellerei angesetzt war. Aus Stuttgart kommt man übrigens auch ganz bequem per S-Bahn und Bus ins Remstal und eben ganz speziell zu unserem verabredeten Treffpunkt, nämlich 9 Uhr an der Kelter in Schnait. Vorsichtshalber war ich bereits um 8:40 Uhr da, aber keinesfalls die erste, nein, es wartete bereits ein anderer Teilnehmer auf den Beginn unseres dritten Seminartages.

Die ersten Trauben lassen sich schon erkennen

Als dann alle eingetroffen waren, ging man zunächst noch kurz die wichtigsten Ereignisse des Vortages durch, nämlich die Ergebnisse des EM-Spiels Deutschland : Griechenland (4:2) und dass doch immerhin ca. 1.500 Leute beim Public Viewing auf dem Gelände der Remstalkellerei mitgefiebert haben.

Alle lauschen gebannt den Ausführungen von Winzerin Corina Oesterle

Das gestrige Thema hieß „Laubarbeit – Heften“ und wir fuhren in Fahrgemeinschaften gleich mal zum ersten Weinberg, auf dem Riesling angebaut wird. Corina Oesterle, die Winzerin die uns zusammen mit ihrem Mann Christoph in die hohe Kunst des Weinanbaus einführt, erklärte uns dann gleich vor Ort, dass der Riesling eine ganz besonders kräftig wachsende Rebsorte sei, die verschwenderisch Triebe schießen lässt und deswegen jetzt ein wenig zurecht gestutzt werden sollte.

Der Riesling wuchert und wächst ganz üppig
Manch einer hat sein Glück schon im Weinberg gefunden

Das Reduzieren der Triebe hat unter anderem den Grund, dass man beim Weinbau immer mehr auf Qualität statt Quantität setzt. Lieber einen richtig guten Wein, aber dafür nicht so eine Masse – das ist der Trend zu dem die qualitätsbewussten Weinbauern immer mehr tendieren. Deswegen müssen die überschüssigen Triebe entfernt werden, damit die Kraft später in die Trauben geht und sich letztlich die Qualität des Weines entsprechend verbessert.

Im Remstal braucht man kein Dschungelcamp – die Weinberge lassen auch Urwaldfeeling aufkommen

Doch welche Triebe sind nun überflüssig? Als Laie und vor allem als Balkongärtner kann man nicht auf Anhieb wissen, was man nun ungestraft wegzwicken und was ungehindert weiter wachsen darf. Corina und Christoph erklärten es geduldig – und wenn es sein musste auch noch ein fünftes Mal persönlich für diejenigen, die sich auch nach der vierten Erklärung noch unsicher waren. Aber irgendwann hatte auch ich es begriffen und versuchte einfach mein Hirn auszuschalten und meinen Instinkt ein. Und siehe da, es funktionierte!

Verstecken spielen im Weinberg? Nein – hier wird gearbeitet!

Zur Halbzeit und nach einer Kaffeepause mit hervorragendem Hefezopf OHNE ROSINEN setzten wir um und fuhren zu dem Wengert, auf dem der Acolon wächst. Acolon ist eine relativ neue Rebsorte, die aus einer Kreuzung zwischen Lemberger und Dornfelder entstand. Das Ergebnis ist ein etwas leichterer, aber trotzdem kräftiger Rotwein, der mit seiner mediterranen Note hervorragend zu Pizza, Pasta & Co. passt. Auch sieht die Rebe vom Wuchs her schon ganz anders als der Riesling aus. Irgendwie aufgeräumter und nicht ganz so dschungelmäßig. Beim Acolon ging es dann auch recht zügig vonstatten, die seitwärts wachsenden Triebe einfach hochzuheften und wo nötig das Laub etwas auszudünnen. Alles von Hand und ohne Einsatz von Maschinen oder Mittelchen.

So ordentlich und aufgeräumt wächst der Acolon

Auch wenn gestern kein unerträglich heißer Tag war, irgendwann stach die Sonne doch recht heftig herunter und Weinberge sind ja die reinsten Sonnenmagnete und meistens auch ohne schattenspendende Bäume. Deswegen war ich wirklich sehr froh darüber, dass ich morgens schon den breitkrempigen Strohhut meiner Tochter entwendet hatte und ich unter diesem einigermaßen vor der Sonne geschützt war.

Breitkrempige Strohhüte schützen am besten vor der Sonne – Winzerin Corina Oesterle trägt auch einen

Mittags gab es dann wieder das obligatorische Vesper im Weinberg und wer wollte konnte auch einen Wein dazu trinken. Ich hielt mich an den Gänsewein, da ich sonst bestimmt in der S-Bahn nach Stuttgart eingeschlummert wäre.

Hier wurde mittags das Winzervesper kredenzt

Bevor sich die Runde jedoch auflöste, schauten wir uns noch die jungen Rebstöcke an, die am vergangenen Seminartag gesetzt wurden, um zu sehen, wie sie sich entwickelten. Und was wir sahen war gut. Die Stöcke sind angewachsen und gedeihen prächtig. Sie wachsen gerade und werden bestimmt in ein paar Jahren reichlich Früchte tragen.

Der Setzling ist gut angewachsen – Winzer Christoph Oesterle freut sich

Am 14. Juli ist dann der nächste Termin. Da soll es um das Themenpaket „Laubarbeiten – Qualitätsmaßnahmen – Gipfeln“ gehen. Ich bin gespannt!

Die Reben im Remstal streben nach oben

 
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