Vorher noch Teil 1 lesen?

Der Knochen wird also tags drauf wieder zum Fundort zurückgebracht und die Mutter wiegt sich im Glauben, dass es wahrscheinlich eben doch nur ein Tierknochen ist – aber was für ein Tier eigentlich? Wer sollte schon ausgerechnet DORT Knochen verstecken, aber vielleicht eben doch ausgerechnet dort!

Aber auch an diesem Tag kommt das Kind mit Knochen nachhause. Wieder unverpackt, wie nett. Der Knochen wird dann erstmal in einer unbeobachteten Minute konfisziert und in Sicherheit gebracht, nicht dass er zum Schluss noch als bestgehüteter Schatz unterm Kopfkissen landet.

Jetzt gibt es in der näheren Umgebung der Mutter ein paar medizinisch vorbelastete Personen, welche wiederum ein paar medizinisch noch stärker vorbelastete Personen kennen, die sich auch mit Knochen auskennen sollten.

Also geht der Knochen auf Reisen. Zunächst zur einen Person, die zuhause ein Modell hat. Vergleich. Hmm, könnte sein, könnte aber auch nicht sein, aber tendenziell könnte es eher sein. Auf jeden Fall so ein langes, gerades Teil, wie man es eben im Unterschenkel oder im Arm vorfindet. Andere Personen mit ebenfalls medizinischer Vorbelastung und regelmäßigem Kontakt zu eingelegten Extremitäten in der Uniklinik halten den menschlichen Ursprung ebenfalls für gegeben.

Aber bevor man sich jetzt die Blamage gibt und die Reste eines Grillfestes zur Kripo bringt, will man natürlich auf absolute Nummer Sicher gehen und lässt das Teil auch noch einem medizinischen Professor zeigen, der aufgrund seines Fachbereiches Ahnung davon haben soll.

Dieser nimmt das Fundstück in Augenschein, tippt auch auf menschliche Herkunft und witzelt noch, dass man solche Funde eigentlich gleich wieder verbuddeln sollte. Aber nein, eigentlich sollte man es der Polizei melden. Er beschäftigt sich gedanklich noch weiter damit und meldet sich gegen später nochmal und empfiehlt sogar dringend, den Fund zu melden. Einmal aufgrund des Fundortes und zum zweiten aufgrund der Größe. Es war wie gesagt eher ein zierlicher Knochen.

Also geht die Mutter am nächsten Tag direkt zur Kripo. Dort steht sie im Empfangsraum rum und muss dem Pförtner kurz schildern um was es geht. Das ganze Gespräch geht durch die Panzerglasscheibe und über ein Mikro vonstatten. Der zum Vorzimmerdamendienst verdonnerte Polizist beäugt die Mutter mit dem Fundstück überaus argwöhnisch, so dass diese bereits fast schon bereut, hier vorstellig geworden zu sein. Schließlich sind einem ja schon die wundersamsten Geschichten zu Ohren gekommen…

In einem ausgesprochen ranzigen Ton wird sie nach den üblichen Verdächtigen befragt, als da wären Personalausweis, Fundort, Fundzeit, Umstände des Fundes und wie sie eigentlich und überhaupt darauf käme, dass dies ein Menschenknochen sei. Die Mutter überlegt sich bei der Gelegenheit, ob man so wird, wenn man diesen Beruf ausübt oder ob sie nur solche Leute nehmen, die so sind wie eben jener…

Wie dem auch sei, das Fundstück geht in den Besitz der Kripo über, die Mutter fühlt sich jetzt erstmal erleichtert, dass jetzt alles seinen rechten Weg gehen wird und vernimmt noch die Worte, dass man sich auf jeden Fall zwecks näherer Befragung nochmals bei ihr melden werde. Auch wird die Mutter von diesem Pförtner noch darauf hingewiesen, dass es sich hier um eine ernste Angelegenheit handele. Natürlich. Oder dachte der Herr Pförtner, gestand’nen Frauen mit buddelnden Kindern ist es so langweilig, dass sie ausgegrabene Picknickreste zur Kripo bringen!?

Stunden später: Das Mobiltelfon der Mutter klingelt. Keine Rufnummer zu sehen. Aha.

Ja, bitte? (in der Öffentlichkeit meldet sie sich immer ohne Namen)

Kriminalpolizei. Spreche ich mit XY?


Ja!


Ich wollte Ihnen nur sagen, dass es sich nicht um einen menschlichen Knochen handelt.

Gottseidank! 

Auf Wiederhören!

Auf Wiederhören!


Alle Zweifel restlos beseitigt? Keinesfalls!


      

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