Der eine oder die andere mag es vielleicht mitbekommen haben: mein Kind war verreist. Eine ganze Woche lang. Die erste Flugreise, die erste Reise ans Meer und das ganze ohne Muttern, weil die nämlich lieber die Küche in Angriff genommen hat. Dafür mit Tante und Onkel. Das ist doch prima!

Abflug vor einer Woche war bereits in aller Herrgottsfrüh, sprich um kurz vor sechs. Der erste Flug auf der Liste. Selbstverständlich war das Kind die Nacht zuvor bereits bei Tante & Onkel, damit man von dort aus direkt zum Airport düsen kann. Da war aufstehen um 3:30 Uhr angesagt.

Ich hatte meinen Wecker vorsichtshalber auf 3:45 Uhr gestellt und wollte eventuell anrufen. Nur zur Sicherheit. Damit eben niemand den Flieger verpasst, weil der Wecker verpennt wurde. Hab mich aber dann doch nicht getraut. Hatte einfach Angst, dass ich dann belächelt würde, als Spießer bezeichnet oder aber als bereits leicht tüttelig. Das will man ja auch nicht.

Dafür war ich dann eben wach. Ab 3:45 Uhr, obwohl der Flug erst planmäßig 5:50 Uhr starten sollte. Aber das mit dem Einchecken nimmt ja auch Zeit in Anspruch und sowieso soll man ja mindestens anderthalb Stunden vor Abflug in der Wartehalle rumsitzen. Also saß ich zuhause auch rum, schüttete eimerweise Kaffee in mich hinein und wartete auf den Abflug. Zwischendurch diverse Live-Cams bemüht, nein, nicht solche, sondern die vom Airport. Einmal vom Abflughafen, wo aber nichts interessantes für mich zu sehen war, einmal vom Ankunftshafen, wo um die Zeit auch noch nix los war. Später zwar auch nicht, aber immerhin konnte ich die Maschine mit meinem Kindelein landen sehen – oder glaubte es zumindest zu tun.

Also schaut man halt mal so nach der Flugnummer und geht auf www.flightradar24.com und gibt da die Nummer ein. Dann kann man sich in der Historie die diversen Flüge anschauen, die bereits unter dieser Nummer in den letzten zwei Tagen absolviert wurden.

Spannung steigt, irgendwann liest man dann auf der Realtime-Anzeige des Heimatflughafens „Boarding“, „Abgerollt“ oder „Gestartet“ und spätestens dann lässt sich die Maschine mitsamt Geschwindigkeits- und Höhenangaben fast realtime auf www.flightradar24.com verfolgen.

Das ist vielleicht spannend! Und vor allem wenn auch noch das eigene und einzige Kind drin sitzt und es gerade über die Alpen fliegt und von rechts genau eine andere Maschine zeitgleich zu kreuzen scheint… da bleibt einem doch schier die Luft weg.

Und dann verschwand die Maschine 5 cm auf der Karte vor dem Zielflughafen auch noch vom Radar! Da könnte ja Weißdergeierwas passiert sein. Absturz, Entführung, Verirrung, alles ist möglich. Doch dann habe ich schnell auf die Live-Cam vom Zielflughafen umgeschaltet und siehe da, keine 5 Minuten später sah ich den Vogel auch schon einrauschen. Zwar in 10-sekündig aktualisierten Bildern, aber es war genau zu erkennen bzw. zu vermuten, dass es eben dieser eine Vogel war. Man erkennt das ja an der Farbgestaltung der Schwanzflosse.

Und dann sieht man auch noch so amöbengroße Lebewesen aus der Maschine steigen und wähnt sein einziges Kind darunter und sitzt winkend vor dem Bildschirm… Kurz darauf kam auch eine SMS, dass alles gut gegangen sei. Meine lapidare Antwort: Ich weiß.

Später erfuhr ich dann, dass nicht nur ich emotional und live voll dabei war – wenn auch nur virtuell – sondern auch die Großeltern, jeweils jeder für sich. Da kann man mal sehen, wie aufgeregt die Daheimgebliebenen sind, wenn das große Baby mal verreist. Und dann auch noch das erste Mal mit Flugzeug und das erste Mal ans Meer!

Übrigens, heute war Heimflug angesagt. Da ging das ganze nochmal von vorne los, nur in umgekehrter Reihenfolge…

 

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