Schwierig zu beantwortende Frage, ich weiß. Möglicherweise hat das Leben für jeden eine andere Farbe. Die einen führen ein ihrer Meinung nach tristes Dasein, was der Farbe oder Nichtfarbe Grau am nächsten kommt.

Andere wiederum sind so dunkel beseelt, dass man eigentlich nur Dunkelschwarz als Lebensfarbe annehmen kann. Manche sehen ihr Leben in der Farbe Blau, weil alles wie ein ruhiger Fluss daher kommt, ohne nennenswerte Aufreger und mit dem sicheren Gefühl, dass auch eine Allianz oder eine Deutsche Bank vermitteln (wollen).

Bei den etwas hitzköpfigeren, temperamentvollen Zeitgenossen und -genossinnen wird das Leben in Orange oder Rot daher kommen. Die Menschen, die sich fortgepflanzt haben, gleichgültig ob einfach oder mehrfach, dürften das Leben eher bunt sehen, bunt wie Gummibärchen, Legosteine oder Blumenwiesen.

Und bei besonders abgeklärten, abgehobenen und durchleuchteten Fällen ist das Leben einfach nur noch weiß, vielleicht mal mit einem Akzent in hellgrau oder zartbraun. Aber in erster Linie weiß.

So, und nun betrachten wir uns mal das digitale Leben der Spezies „BloggerInnen“ etwas näher. Ich denke, wir können uns hier auf die weibliche Form einigen, die Bloggerinnen, da es die Männer so gut wie kaum betrifft, es sei denn sie fühlen sich mehr von weiblichen Hormonen angetrieben.

Auch hier gibt es eine gewisse Farbwahl zu beobachten. Mode-Bloggerinnen nehmen ganz gerne einen Rahmen in schlichtem weiß als Hintergrund und schwarzer Schrift, damit alle halbwegs mittelbunten Fotos von ihren täglichen Outfits besser zur Geltung kommen.

Beauty-Bloggerinnen hingegen tendieren durchaus mal zu einem poppigen Pink, Türkis oder Orange, je nachdem was die aktuelle Saison an Nagellack und Lippenstiftfarben hervorgebracht hat. Und je nachdem was zu den blondierten Haaren und den verkünstelten Fingernägeln passt, die zweitäglich mehr oder weniger professsionell in neuem Outfit präsentiert werden.

Recht farbenfroh, wenngleich auf viel weißem Grund, geht es bei den Foodbloggern zu. Klar, so eine Tomate neben einer ungeschälten Salatgurke oder eine rote Beete mit grünen Bohnen geben natürlich schon ganz schön Farbe ab. Das färbt auch auf die weißen Teller und hinterlässt bunte Spuren, die nicht schlecht sind, sondern einen Teil des Lebens einfach wieder spiegeln, so wie es ist.

Richtig in die dunklen Gefilde der Farbpalette greifen sämtliche Grufti- oder Gothicblogger, gerne auch in der S/M-Szene anzutreffen oder in anderen düsteren Gefilden des Lebens. Hier finden wir auch auf dem Blog die entsprechende Farbwahl, bevorzugt dunkel wenn nicht gar schwarzgrundig, einen halbwegs gruseligen bis blutigen Header und natürlich entsprechend düsterer Content.

Mein absoluter Hit aber sind die Lifestyle-Einrichtungsberater-Möbelhaus- und Fashion-BloggerInnen, die – und jetzt lacht nicht! – ihren Blog ganz in weiß halten. Ok, weiß ist nicht gleich weiß. Das weiß man spätestens seitdem man versucht hat mit einer anderen Restefarbe in weiß etwas fertig zu stricken/malern/streichen/basteln. Weiß hat unglaublich viele Nuancen und da kann man seine werten Blogleser vollen Herzens daran teilhaben lassen, diese Abstufungen alle kennenzulernen.

Genau aus diesem Grund sind diese Blogs auch meist nicht nur mit weißem Hintergrund versehen, nein, die Schrift der Artikel selbst ist in einem hellen Grau gehalten, oft in einer Type, die leicht antik und durchbrochen wirkt.

Überschriften werden ausnahmslos geschnörkelt und in hellgrau dargestellt und Fotos von weißen Möbeln/Klamotten/Wänden/Fußböden aufgehübscht mit weißen Accessoires wie weiße Kerzenhalter auf weißem Tisch, weißes Sofa auf weißem Fußboden vor weißer Wand oder weißer Kleinhund in weißem Körbchen mit weißem Polster entringen Tausenden von Fans schmachtende Kommentare.

Anämische Blogs sind derzeit hoch im Kurs und vor diesem Style machen mittlerweile auch die sogenannten Mainstream-Medien nicht mehr Halt. Wenn man sich mal anschaut, welche Frau(ch)enzeitschriften welche Blogs als besonders sehens- und lesenswürdig empfehlen, dann stößt man genau auf diese blutleeren Exemplare, die man aufgrund der Hell-Dunkel-Kontrastarmut noch nicht mal g’scheit lesen kann. Wahrscheinlich braucht’s das auch nicht, weil sowieso nur Nonsense drin steht.

Aber mich würde mal interessieren: Haben diese Bloggerinnen keinen Mut (zur Farbe)? Das kann doch nicht das richtige Leben sein! Oder sind wir bereits so weit, dass wir uns kollektiv eine weißdurchleuchtete Scheinwelt basteln müssen? Erschreckend ist außerdem, dass es viele solcher anämischer Blogs gibt. Anfangs fand auch ich die weißen Layouts noch außergewöhnlich – doch mittlerweile sind sie so dermaßen Mainstream, dass hier unbedingt mal ein Tapetenwechsel gemacht werden sollte. Und sei es nur im Zuge der Lesefreundlichkeit…

   

2 KOMMENTARE

  1. Hey,

    danke für dein Kommentar.

    Ich habe schon viel Farbe auf meinem Blog, allerdings ist es ja ein Standarttheme.
    Ich hätte gern ein anderes, doch bin leider zu unfähig eines zu basteln.

    LG!

  2. Ich habe einen weißen Hintergrund auf meinem Blog,weil ich ansonsten gerne mit Farben spiele. Bunte Schrift…in manchmal wechselnder Farbe…
    Herzchen,Sternchen,Blumen…bunte Bilder.
    Wenn dann auch der Hintergrund bunt wäre,dann wäre das wohl zuviel des Guten;-)

    Bunte Grüße;-)

    Line

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