Einige meiner Leser dürften mittlerweile mitbekommen haben, dass ich in der Landeshauptstadt zwischen Wald und Reben wohne und von daher eine gewisse Nähe zum Weinbau in Baden-Württemberg schon von Haus aus gegeben ist. Man kommt hier einfach nicht daran vorbei.

Deswegen habe ich mich auch sehr gefreut, dass ich als eine der ersten TeilnehmerInnen des Wengerter Seminars von der Remstalkellerei dabei bin. Zwar habe ich keinen Weinberg den ich bewirtschaften könnte, aber: Wer gerne guten Wein trinkt, soll ruhig auch wissen wie dieser angebaut wird und wieviel Arbeit hinter einem guten Tropfen steckt. Dann weiß man den Genuss wieder mehr zu schätzen. Das ist zumindest mein Hauptgrund, um an diesem Seminar teilzunehmen, aber auch um einfach mein Wissen zu erweitern und natürlich kann man die praktischen Lehrstunden im Wengert (schwäbisch für Weinberg) auch als erholsame und ausgleichende Freizeitbeschäftigung ansehen.

So war dies für einige andere Teilnehmer der Grund, nämlich dass sie zukünftig möglicherweise selbst Weinbau als Hobby betreiben wollen, weil sie entweder momentan noch verpachtete Weinberge im Hintergrund haben oder aber ein Wengert demnächst in Aussicht steht.

Vergangenen Freitag begann das Seminar mit einem Info-Abend in der Remstalkellerei, bei dem die Winzerin Corina Oesterle aus Schnait alles wissenswerte rund um den Weinbau und den Seminarablauf erzählte, das Ganze natürlich mit einer Weinverkostung und einer Kellerführung abgerundet.

Samstagmorgen ging es dann gleich mit dem praktischen Teil weiter. Um 9 Uhr traf man sich an der Kelter in Schnait und fuhr dann in Gruppen gemeinsam in den Wengert. Thema des ersten praktischen Seminartages war „Rebschnitt – Biegen – Binden“. Die Witterung war zwar kühl, aber trocken, also optimal um im Weinberg aktiv zu sein.

Alle Teilnehmer waren outdoormäßig gekleidet und mit geländegängigem Schuhwerk ausgestattet. Im Remstal hat man zwar nicht mehr die Bruchweinberge wie zum Beispiel in Lauffen am Neckar, aber trotzdem bietet es sich an bequeme Schuhe anzuziehen, in denen man auch gut wandern kann. Vor Ort gab es dann von der Winzerin Corina – im Weinberg duzt man sich dann übrigens! – und ihrem Mann gleich eine praktische Einführung in den Rebschnitt. Die einzelnen Weinstöcke hatten im vergangenen Jahr einige Triebe gebildet und jetzt galt es, diese zu reduzieren, damit sich der Wuchs später voll und ganz auf qualitativ hochwertigen Ertrag ausrichten lässt.

Also wurde uns gezeigt, welche Triebe geschnitten werden und welche man stehen lässt. Letztendlich braucht man später zum Biegen und Binden nur noch 2 Triebe, einen lässt man beim Schnitt aber lieber zur Reserve noch stehen. Was sich später dann beim Biegen und Binden als absolut vorteilhaft erwiesen hat – manche Triebe brechen nämlich einfach ab, wenn man versucht, sie zu einem Bogen über den Draht zu binden. Dann hat man immer noch einen in Reserve!

Anfangs war ich mir noch nicht so sicher, was ich abschneiden durfte und was ich dranlassen sollte, aber nachdem mir Corina oder ihr Mann ein paar Mal zur Seite standen, habe ich es dann fast schon so routiniert wie ein erfahrener Wengerter gemacht – naja, nicht ganz, aber fast 😉

Nebenher erfuhren wir noch jede Menge interessante Sachen über den Weinbau und die Kelterei, die ich jetzt natürlich hier nicht alle aufschreiben werde. Das würde schlicht und ergreifend den Rahmen sprengen. Nach dem Rebschnitt gab es dann erstmal Frühstückspause mit Kaffee und sehr guten, ländlichen Butterbrezeln – kein Vergleich zu den Brezeln, die man hier manchmal in der Stadt bekommt!

Frisch gestärkt ging es dann direkt weiter mit dem Binden. Zwei Triebe pro Rebstock mussten im Bogen um den Draht gebunden wurden. Worauf man da achten musste und wie man die Triebe leichter biegen kann  ohne dass sie brechen, dass bekamen wir vom Winzerehepaar Oesterle aufs Beste erklärt.

Gegen 13 Uhr hatten wir dann unseren Weinberg soweit fertig. Dann war noch Zeit genug für ein gemütliches Vesper im Wengert. Corina hatte 2 Biertische mit Bänken aufgestellt und jede Menge Käse, Schinken, Wurst und Brot aufgetischt und natürlich auch Weine aus der Region. Da ich aber mittags noch keinen Wein vertrage, habe ich mich beim Vesper mit Gänsewein begnügt.

Beim geselligen Beisammensein lernte man dann noch die anderen Teilnehmer etwas besser kennen und konnte sich gut unterhalten. Nach 14 Uhr löste sich die Runde dann auf, um dann im Mai zum nächsten praktischen Seminartermin wieder zusammen zu finden. Da geht es dann um das Thema „Ausbrechen – Ausblenden“. Ich bin gespannt und freue mich schon drauf!

Übrigens, nachdem ich am Samstag eben mehrere Stunden an der frischen Luft beschäftigt war, fühlte ich mich genauso erholt wie nach einer mehrstündigen Wanderung. Deswegen kann man so einen Wengerter Kurs eigentlich auch gut als Wellness-Tages-Urlaub mitmachen!

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