Traditionell waren wir am ersten Sonntag der Volksfestlaufzeit auf dem Cannstatter Wasen, gleich vormittags gegen halb zwölf, damit es 1. nicht so voll ist, 2. wir noch etwas vom großen Volksfestumzug mitbekommen und damit wir es dann für dieses Jahr gleich hinter uns gebracht haben. Das nächste Gequengel gibt es dann erst wieder zum Weihnachtsmarkt.

Wie immer war allerschönstes Wetter, sogenanntes Kaiserwetter. Und wie immer an diesem Sonntag waren gut 50 % der Festbesucher in Trachten und ähnlichem gekleidet, was durchaus etwas fürs Auge bot, vor allem für das männliche, wenn die ganzen hochgeschürzten Dekolletées vorbeimarschieren.

Transportable Baudenkmäler jeglicher Art wurden auf den vorbei ziehenden Umzugswagen und -kutschen präsentiert. So zum Beispiel die Grabkapelle Rotenberg oder die Fruchtsäule, die man auf dem Cannstatter Wasen derzeit auch in Originalgröße bewundern kann. Übrigens findet man beim Gablenberger Klaus einen sehr informativen Artikel über diese Säule.

Die Miniaturausgabe der Fruchtsäule wird weder von einem Pferde- noch von einem Ochsengespann gezogen, sondern ganz emanzipiert ziehen Kühe die Karre über den Wasen. Und das süße Mädchen im Bild weiter unten lässt sich ganz entspannt im Wagen kutschieren – und vor allem ganz dekorativ!

Die Riesentraube vom Gartenbauverein Bad Cannstatt muss von starken Männern getragen werden. Das dürften mehr als 2 Pfund Weinbeeren sein, die hier zu diesem schmucken Gebilde verarbeitet wurden.
Eindeutig das schönste Pferd, vor allem das am schönsten geschmückte, war dieses mit den roten Ohrenschützern und dem Rosenbouquet auf dem Haupt. Dieses Pferd sah aus, als sei es direkt einem Märchen entsprungen.

Aus Echterdingen kam der Wagen mit den zwei Blondinchen im Gespann. Dekoriert mit Spitzkohl von dem Fildern machte der Wagen schon Lust aufs Krautfest, was ja auch bald wieder stattfinden dürfte. Auf dem Wagen wurde auch direkt der Echterdinger Spitzkraut gehobelt, aus dem dann das weltberühmte Sauerkraut bzw. Filderkraut hergestellt wird.

Wie früher kam der Wagen aus der Stadt Walldürn im Odenwald daher. Das dürfte bestimmt bei manchen älteren Leuten aus dem Publikum Erinnerungen an die eigene Kindheit geweckt haben. Auf dem Land durften die Kinder früher auf dem Heuwagen mitfahren, nachdem das Heu eingeholt war. Als Kind hatte ich auch hin und wieder das Vergnügen, nämlich immer dann, wenn ich bei meiner Oma in der früheren DDR Urlaub machte und dort den ganzen Tag auf dem benachbarten Bauernhof verbrachte.

Eine „Geisterbahn“, die man zu Fuß durchlaufen kann und die erst seit diesem Jahr auf dem Volksfest präsent ist, ist das „Tal der Könige“. Wir waren drin. Auf halbem Weg trafen wir auf eine Gruppe von Teenie-Mädels, die sich fürchteten und keinen Schritt mehr vorwärts gehen wollten. Wir warteten dann gemeinsam auf ein paar mutige Männer, die uns die ganzen verdorrten Mumien aus dem Weg räumen sollten. Das nächste Mal, falls es ein solches geben sollte, nehme ich jedenfalls eine Taschenlampe mit, damit ich sehe, woher der nächste Schreck kommt.

Da ist doch Ponyreiten viel entspannter, wenn auch viel zu kurz und mit 3 Euro nicht gerade günstig. Aber was ist schon preiswert auf dem Volksfest!? Ein bißchen Nepp gehört einfach zum Jahrmarkt, aber einmal im Jahr kann man sich ja auch darauf einlassen. Hauptsache das Kind ist glücklich!

Wesentlich geruhsamer, gemütlicher und weniger laut geht es auf dem Almhüttendorf zu. Diverse Spezialitäten alpiner und italienischer Art werden hier angeboten neben reichlich alkoholischen Flüssigkeiten aller Art. Hier lässt es sich auf jeden Fall gut sitzen, essen und trinken – für meine Begriffe bei schönem Wetter dem Bierzelt absolut vorzuziehen!

Die Damen tragen Dirndl, die Herren tragen Krachlederne oder very stylish einen Schottenrock. Vor allem kommen mit so einem Kilt die durchtrainierten Waden und Schenkel viel besser zur Geltung als mit einer Krachledernen. Ich denke, dieser nette Herr mit dem karierten Rock ist ein echter Trendsetter. In zehn Jahren werden sie alle so rumlaufen!

Pferdchen für die Handtasche gab es auch. Es muss also nicht immer ein Chihuahua sein, nein, so ein süßes, kleines Pony passt doch auch bequem in einen Weekender. Der Vorteil von so einem Kleinstpferd ist auch, dass die Pferdeäpfel entsprechend kleiner ausfallen. Die hatten in diesem Fall höchstens die Größe von Mandarinen. 

Hier die Fruchtsäule in ihrer ganzen Pracht, blaue Säule vor blauem Himmel. Auch wenn es mir jetzt schwer fällt, ich sage jetzt nicht das Wort, was sich auf Himmel reimt und ich erzähle auch nichts vom subphallischen Symbolismus. Da darf sich jeder selber seine Gedanken machen…
Wer sich gerne ein wenig gruseln möchte, der kann sich außer in Fahrgeschäfte wie XXL-Schaukeln und Doppel-Looping-Achterbahnen auch in eine Geisterbahn mit echten Gruselgestalten begeben. 
Hier arbeiten die Geister noch persönlich und lassen schon vor dem Gruselhaus kleine Kinder vor Schreck bleich werden oder Spinnenphobiker Schreie ausstoßen.

Vielleicht gibt es ja gegen Ende des Volksfestes noch ein paar herbstlich-nieselige Tage, die dann am besten für die Fahrt mit der Geisterbahn geeignet sind, weil sie die Stimmung einfach noch verstärken und damit ein perfekter Übergang zum nächsten Gruselevent geschaffen wird, zu Halloween…

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