Sobald man ein Schulkind hat, hat man ja auch automatisch die Verpflichtung, dieses Schulkind vor allem in den gefühlt 12 Wochen dauernden Sommerferien stets gut zu unterhalten, damit die Stimmung zuhause nicht unerträglich wird. Also werden Blättchen, Zeitungen, Prospektangebote und das Internet durchforstet, um irgend etwas Brauchbares zu finden, das einerseits Entertainment bietet, andererseits aber vielleicht auch noch ein bißchen nützlich ist und einen kleinen Beitrag zur Allgemeinbildung leistet.

Also kam mir das Angebot, die Feuerwache 1 zu besichtigen, gerade richtig. Noch eine Freundin meiner Tochter davon überzeugt, dass es sicherlich interessant wird und dann sind wir da heute vormittag hingetigert. Die Stuttgarter Feuerwache 1 liegt übrigens mitten in der Altstadt und genau gegenüber der Jakobschule. Die werden also niemals anstimmen können „Hurra, hurra, die Schule brennt!“, weil die Löschangriffe vermutlich dann noch vor Feuerausbruch erfolgen und ein größerer Brand in der Nähe der Feuerwache eigentlich so gut wie unmöglich sein dürfte.

Sehr beeindruckend fand ich gleich als erstes diesen fein säuberlich zusammen gefalteten Wasserschlauch, der mich sehr stark an Großmutters Wäscheschrank mit der Leinenbettwäsche aus ihrer Aussteuer erinnerte. Naja, ist klar, dass der Schlauch so ordentlich da drin liegen muss. Wenn er einfach nur reingestopft würde, dann müssten die ja beim Einsatz erstmal anfangen, das Teil zu entwirren und bis dahin wäre die Bude dann abgebrannt.

Für die Kinder war es dann auch recht abenteuerlich, mal in einem echten Löschfahrzeug Platz zu nehmen und sich einen echten Feuerwehrhelm aufzusetzen. Mein Fettnäpfchen war dann gleich, als ich zu dem Firewire-Lieutenant sagte, das dass doch sicherlich ein alter Helm aus den 50er oder 60er Jahren sei. Der kam mir eben einfach so alt vor, wahrscheinlich wegen dieser Patina. Ich wurde dann aber darüber aufgeklärt, dass der Helm modern sei und diese Patina vom Ruß käme. Klar. Hätte ich mir ja auch denken können. Aber ganz unter uns: für mich sah er sogar nach 30er Jahre aus, aber ich wollte nicht gleich so mit der Tür ins Haus fallen.

Der gepflegte Feuerwehrmann hat sein Maniküre-Besteck stets dabei, praktisch in der Seitenwand des Löschfahrzeugs untergebracht. Ganz links das rote Ding für die Zehennägel, das mittlere silberne Teil zum Hufen auskratzen und Nägel aus der Wand ziehen und mit dem roten Gerät rechts kann man bestimmt auch mal einen eitrigen Zahn ziehen. Und wenn sie es nicht für die Körperpflege brauchen, dann machen sie damit Türen oder Fenster auf, öffnen vielleicht eine Fahrzeugtür bei einem Unfall oder setzen es sonst irgendwie zur Rettung von Mensch, Tier und Sachgut ein.

Ganze 2 Minuten dauert es nur, bis die Feuerwehrleute abfahrtbereit in ihren Wagen sitzen und mit ohrenbetäubendem Martinshorn davon rauschen. Sobald der Gong für einen Einsatz läutet, rutschen sie geschwind die Stangen herunter und steigen bei Bedarf in ihre bereit liegende Montur, wo die Hose bereits mit in den Hosenbeinen steckenden Stiefeln auf ihren Einsatz wartet. Vom ersten Stock in die Wagenhalle geht es per Stangenrutsch innerhalb von Sekunden, während man über das Treppenhaus wertvolle Zeit verlieren würde.

Dann haben die Herren von der Feuerwehr mal vorgeführt, wie das so ist, wenn man zum Beispiel Plätzchen oder Kuchen backt und es kommt dann so ganz unvermittelt zur Mehlstaubexplosion. Das ging wirklich recht schnell. Erst wartet man ganz gespannt darauf, dass endlich was passiert, und dann ist es so schnell da, dass man gar nicht mit dem Knipsen hinterher kommt.

So ging es mir dann beim vorgeführten Zündeln im Hinterhof, stilgerecht mit Papiertonne im Hintergrund. Brennt ja auch wie Zunder. Aber das was die da vorgeführt haben, war kontrolliertes Zündeln und man sieht ja auch, dass der Feuerwehrmann ohne Montur schon ganz vorsichtig in der Ecke steht, während der Feuerwehrmann, der dann die entscheidenden 2 ml Wasser in das brennende Fett spritzt, vorsichtshalber schon komplett eingerüstet ist mit seiner feuerfesten Ausrüstung. Simuliert wurde hier eine Fettexplosion, wie sie vermutlich häufiger in Küchen vorkommt, in denen frittiert oder einfach etwas mit Öl gebraten wird.

Kennt man ja, der Topf oder die Pfanne steht schon mal auf dem heißen Herd, damit das Öl heiß wird und Mutter das Schnitzel reinschmeißen kann. Prompt klingelt das Telefon oder es kommt eine spannende E-Mail, schon ist die Pfanne mitsamt Öl und ohne Schnitzel vergessen und auf einmal hat man den Salat! Das Falscheste, was man jetzt tun könnte, wäre auch noch Wasser drauf zu kippen! Allein die 2 ml aus der Einwegspritze haben urplötzlich einen riesigen Feuerball entstehen lassen, den ich leider nicht mit dem Foto erwischt habe. Man stelle sich nur vor, was ein Messbecher voller Wasser anrichten würde! Also, wenn die Pfanne brennt: Herd ausmachen und Deckel auf die Pfanne und am besten gleich auf den Balkon stellen oder auf den Fließenboden oder irgendwas anderes nicht brennbares.

Eine weitere Attraktion ist die Drehleiter. 30 m weit lässt sich dieses Ding ausfahren und man hat eine bombastische Aussicht von da oben. Fast so gut wie vom Riesenrad oder Fernsehturm. Kinder dürfen erst ab 10 Jahren mit hoch, da bei den Kleineren das Risiko zu groß wäre, dass eines zwischen den Gitterstäben durchrutscht. Da dieses Risiko bei mir eigentlich nicht besteht, bin ich einfach mal mit hochgefahren und habe die Aussicht genossen.

Das ist zwar sehr komfortabel, wenn man in diesem Korb der Drehleiter steht und sich per Knopfdruck wie mit dem Lift in die Höhe fahren lassen kann, aber ein echter Feuerwehrmann muss diese Leiter auch zu Fuß und in voller Montur hinauf und hinunter steigen können. Die volle Ausrüstung wiegt übrigens schlappe 50 kg, also sozusagen soviel wie ein Zentner Kartoffeln. Und das dann auf der Leiter. Ich würde da ja schon ohne einen extra Zentner Höhenangst, Schwindelgefühle und Flugambitionen bekommen.

Ein absolutes Highlight für die Kinder war dann natürlich auch, als sie den Befehl „Wasser marsch!“ ausführen durften. Aus diesem Schlauch kommt das Wasser etwas stärker raus, als aus dem gewöhnlichen Gartenschlauch. Und ganz so einfach zu halten ist diese Wasserschlange auch nicht mehr, aber da hilft ja dann ein Feuerwehrmann.

Wer in Stuttgart wohnt und jetzt denkt, das wäre vielleicht auch noch etwas für die eigenen Kinder, der kann sich hier bei der Elternzeitung Luftballon informieren, welche Termine zur Feuerwachenbesichtigung noch stattfinden. Wer woanders wohnt, findet bestimmt auch Infos in lokalen Anzeigern oder über das Internet oder vielleicht einfach mal direkt bei einer Feuerwache anfragen, ob die so etwas anbieten. Ist ja nicht nur für die Kinder interessant, sondern auch für die Erwachsenen. Kann ich jedenfalls nur empfehlen!

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