Wie der/die eine oder andere LeserIn vielleicht mittlerweile weiß – vielleicht wissen es auch schon beide LeserInnen – habe ich eine Tochter im Grundschulalter, die sich natürlich das ganze Jahr über auf Weihnachten, Geburtstag und Ostern freut.

Aktuell war mal wieder Ostern an der Reihe, was ich nur halb so gerne habe wie Weihnachten. Deswegen betreibe ich ja auch eine Weihnachtsbloggerei und kein Osterblogger-Ei. An Ostern nervt mich immer dieser logistische Aufwand mit unbemerkter Eierfärberei und heimlicher Ostergeschenkeversteckung. Da ist Weihnachten irgendwie einfacher, da muss man einfach in einem unbemerkten Augenblick den Sack voller Geschenke unter dem Baum auskippen.

Ostereier lassen sich auch nicht ewig im voraus färben und im Schrank verstecken, sonst verlieren sie leicht an Frische. Und fertig eingefärbte Eier kaufen möchte ich auch nicht, weil ich da immer das Gefühl habe, sie sind schon etwas älter. Also muss ich selber ran.

Die Färberei schiebe ich immer bis auf den letzten Drücker raus. Nur dieses Mal war es schon ziemlich extrem. Eigentlich wollte ich gestern abend, sobald das Kind leichte Schlafgeräusche von sich gibt, mit dieser Prozedur anfangen. Im Schrank hatte ich noch jede Menge Ostereierfarbe von den vergangenen Jahren entdeckt, auch angebrochene Packungen, von denen ich nicht alle Farbbehälter geöffnet und verwendet hatte. Aber gestern abend fiel ich blöderweise schon kurz nach acht in den Tiefschlaf und wachte erst morgens früh um vier wieder auf.

Gegen fünf Uhr, nachdem ich innerlich mit mir selbst Kämpfe ausgefochten und mir überlegt habe, ob wir dieses Jahr ganz auf die gekochten Eier verzichten sollen oder vielleicht nur rohe Eier verstecken sollten, habe ich mich endlich aufgerafft und bin aufgestanden. Meine acht Stunden Schlaf hatte ich ja schließlich schon. Also in die Küche geschlichen, Kaffee gemacht, noch ein wenig vor mich hingeträumt.

Gegen halb sechs hab ich dann endlich mal angefangen, die Eier zu kochen. Damit sie auch wirklich steinhart werden, waren sie bestimmt 20 min im köchelnden Wasser. In der Zwischenzeit habe ich die Eierfarben aus dem Schrank gekramt und dachte, ich verwende die Farbe zum Marmorieren. Einfach die heißen Eier erst mit der einen Farbe eintätscheln, anschließend mit der nächsten Farbe. Gibt wunderschöne Marmoreier, zumindest auf der Packung.

Lust hatte ich zwar keine, aber um des lieben Friedens willen macht man das eben. Man will ja über die Feiertage kein dauermotzendes Kind um sich rum haben. Kaum hatte ich mir die Plastiktüte in Handschuhform über die Finger gezogen, ertönte auch schon ein „Oma!?“ aus dem Kinderzimmer. Auch das noch! Kind ist schon wach und nennt mich „Oma“… Ich schlich ins Kinderzimmer, Kind war halbwach und aufgedeckt, ich deckte es zu und war glücklich, dass es erkannte, dass ich noch nicht die Oma bin. Tochter versprach, weiter zu schlafen. Komisch. Sonst würde sie eigentlich aufstehen. Sechs Uhr ist für sie normalerweise an Sonn- und Feiertagen keine Schlafenszeit mehr.

Ich tätschelte die ersten heißen Eier liebevoll mit Farbe – gelb, irgendwas braunrotes und was grünes standen mir zur Verfügung – und das Ei blieb wie es war. Braun. Ich hatte braune Bio-Eier gekauft und die Farbe war nicht gerade das, was man als deckend bezeichnet. Eher transparent. Diese grüne oder braunrote Farbe hinterließ dann wenigstens dunkle Flecken auf dem Ei. Aber von dem Gelb sah man natürlich nix.

Nachdem ich drei von zehn Eiern „gefärbt“ hatte, ertönte wieder ein Ruf aus dem Kinderzimmer. Das Kind konnte nicht mehr schlafen. Mist! Wohin mit dem Kind!? Bestimmt nicht in die Küche! Also habe ich mit zuckersüßer Flötenstimme gesagt, auf dem Balkon wäre es wunderschön, die Vöglein zwitscherten in der ausgehenden Dämmerung und es war angenehm frisch mit ca. 6 ° C…

Kind bekam das Lammfell auf den gepolsterten Hochlehnstuhl, eine Legging unters Nachthemd, eine warme Decke zum zudecken, einen Poncho über den Oberkörper, ein schönes Lesebilderbuch und die Ankündigung eines leckeren, warmen Kinderkaffees. Damit war sie erstaunlicherweise ziemlich schnell zufrieden und machte noch nicht mal den Hauch einer Anstalt, in die Küche zu gehen und etwas trinken zu wollen – so wie ich das sonst gewohnt bin.

Während das Kind auf dem Balkon kuschelig vor sich hinfror, machte ich in der Küche an den Eiern weiter. Die Färbung dieses Jahr versetzte sogar mich in Entzücken. Beim Vorher-Nachher-Vergleich merkt man fast keinen Unterschied!

Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass Töchterlein genau wusste, dass ICH die Eier färbe und nicht irgendein dahergelaufener Osterhase. Sie war heute einfach absolut zu wenig neugierig und blieb brav auf dem Balkon sitzen und fand es sooo gemütlich! Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass sie mich im Glauben lässt, sie glaube noch an den Osterhasen, damit ich nicht die Lust verliere und das ganze Eier-Trara bleiben lasse…

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