Gestern war einer der wichtigsten Gedenktage Deutschlands und keiner hat es gemerkt – außer denen, die direkt an den Feierlichkeiten teilnehmen durften. Wie ich zum Beispiel.

Zwei Dinge standen an. Einmal zur Post gehen und etwas abholen und außerdem für eine mir nahestehende Dame älteren Semesters ein neues Abomärkchen kaufen, damit sie unbehelligt mit dem ÖPNV durch das Stadtgebiet gurken kann.

Also, erstmal zur Post gegangen, und zwar zur Hauptpost in der Innenstadt, weil mittlerweile überall das große Poststerben ausgebrochen ist. Erst haben die Filialen in meiner nächsten Umgebung geschlossen, dann die in meiner etwas entfernteren Umgebung.

Die Filialen aus der etwas entfernteren Umgebung wurden dann in Geschenkeshops, Papier- oder Weinhandlungen integriert, wo man dann zukünftig seine Poststücke wie Päckchen, Pakete oder Telegramme abholen darf. Auf dem Abholzettel steht dann so etwas wie Öffnungszeit 9 – 18 Uhr, aber wenn man tatsächlich um 9 Uhr antanzt, dann kann man noch eine Weile vor verschlossener Tür auf dem Hinterhofparkplatz rumtanzen und warten, bis jemand um 10 Uhr die Tür aufschließt. So geschehen neulich, aber leider vergessen, ausführlich darüber zu berichten.

Ok, zurück zu gestern. Wir gehen also frohen Mutes zur Hauptpost in der Königsbaupassage und durchqueren die nicht unerhebliche Menschenschlange vor dem Schnellbesohlungs-Asia-Imbiss um dann schwungvoll in die Hauptpost zu marschieren. Aber nein, unserem Schwung wurde ein jähes Ende gesetzt durch heruntergelassene weiße Stoffrollos hinter gläsernen Wand- und Türelementen.

Wir waren übrigens nicht die einzigen, die etwas verdattert schauten, zumal wir dort zu besten Postöffnungszeiten waren, nämlich gegen 16:30 Uhr. Da kann normalerweise keine Hauptpost zu haben, schon gar nicht, wenn weit und breit keine andere Poststelle mehr existiert. Es hing ein Zettel an der Tür mit der Mitteilung, heute sei Betriebsversammlung und der Laden bleibe deswegen geschlossen. Außer von 18:00 – 20:00 Uhr, da ist dann 2 Stündchen geöffnet.

Eine ältere Dame wollte auch etwas erledigen, ihr entfuhr gleich ein herzhaftes „Diese Ar****öcher!“, obwohl sie gar nicht so aussah, als wäre das ihr üblicher Sprachgebrauch…

Wir gingen dann erstmal Zeit totschlagen und Kalorien auf die Hüften futtern, nämlich bei Kaffee und Kuchen in einem der vielen Innenstadtcafés. Dann fiel uns noch blitzartig die Geschichte mit dem Abomärkchen ein, welches noch zu besorgen war.

Also flugs zur Parteizentrale der SSB im tiefergelegten Bereich des Charlottenplatzes marschiert. Dort erstmal mindestens eine halbe Stunde angestanden, obwohl eigentlich gar nicht viele Leute da waren. Aber es war eine zeitraubende Kombination aus langsamem Personal und begriffsstutzigen Kunden.

Hinter uns bildete sich dann relativ schnell eine relativ große Schlange. Als wir endlich dran waren und unser Anliegen vortragen durften, hatten wir das Pech, von einem weiblichen Alien bedient zu werden, der leider nicht in ganzen Sätzen sprechen konnte. Statt zu sagen „Guten Tag, ich bin Paula Huber, was kann ich für Sie tun!?“ kam nur ein fragender, unmotivierter Blick.

Man trug ihr also das Anliegen vor, ein Senioren-Märkchen für den Zeitraum ab dem Folgetag kaufen und außerdem die 3. Zone in ein anderes Gebiet verlegen zu wollen. Der Blick der darauf folgte, war keineswegs der einer kundenfreundlichen Servicekraft, sondern hätte eher mit dem Begriff „tödlich“ beschrieben werden können. Wiederwillig macht sich die Dame ans Werk, bastelte an irgendeinem Apparat einen neuen Ausweis, der sowieso fällig gewesen wäre, da sich wohl mit diesem Jahr das Design und die Farbgebung geändert hat und es die erste Nutzung der Monatsfahrkarte in diesem Jahr war.

Zur Erläuterung auf unsere Frage, was sich denn an dem Tarif im Vergleich geändert habe, kam die überaus aufschlussreiche Antwort. „Des mit neun Uhr.“ Aha. Das hat sich also geändert. Ich muss die Frau so entgeistert angestarrt haben, dass sie wohl selber bemerkt hat, was für einen Käse sie gerade erzählt, vor allem für Kunden, deren Zuhause sich eben nicht auf dem innerstädtischen Schienenstrang befindet. Also holte sie etwas weiter aus und meinte „Jetzt könnet se dr ganse Dag fahra“. Übrigens mit einer Stimme, die wie exhumiert klang, ohne jegliche Empathie, Regung oder sonst irgend etwas einigermaßen verbindlichem, was man bei jemandem im Kundenservicebereich erwarten möchte.

Beim Preis erschallte nur noch ein stimmtotes „Dreiundvierzig“ im Laden. Was 43? Eier? Apfel? Buslinie? Leider waren wir entgegenkommend und haben verstanden, was sie wollte.

Ich habe so das dumpfe Gefühl, da herrscht absoluter Schulungsbedarf!

Nachdem wir also diese Dienstleistungswüste verlassen hatten, machten wir uns nochmals auf den Weg zur Hauptpost. Es war ungefähr 17:50 Uhr und in der Königsbaupassage hatte sich schon eine ansehnliche Schlange vor der Post gebildet. Hinter uns ging es dann gerade so weiter, leider war ich ohne Kamera unterwegs, sonst hätte ich das gerne fotografisch dokumentiert.

Pünktlich 18:03 Uhr öffnete dann der Laden und die Menschen strömten auf einmal völlig reihenfolgelos hinein. Wir auch. Wir hielten uns dann an den Spruch: „Die Mittleren werden die Ersten sein.“ So war es dann auch. Wenigstens hier ging es einigermaßen reibungslos. Was mich nur an der Post selbst aufregt, ist die Tatsache, dass es nur noch ganz wenige große Filialen im Stadtgebiet gibt und dann noch ein paar kleine Klitschen, die in Einzelhandelsläden untergebracht sind. Und dass sie ihre Betriebsversammlung ausgerechnet dann machen, wenn wir mal zur Post müssen!

Einen hab ich noch. Vormittags bin ich mal ausnahmsweise mit der S-Bahn gefahren. Und weil ich erfolgreich eine Bahn verpasst habe, musste ich eine halbe Stunde auf die nächste warten. Also wollte ich die Zeit nutzen und mir eine Brezel gönnen, die es am Kiosk in der unterirdischen Haltestelle gibt. Die Verkäuferin war auch ein Ausbund an Freundlichkeit. Dass sie mir nicht gleich mit ihrem bärbeisigen Gesichtsausdruck an den Hals gesprungen ist, hat mich nur gewundert. Auch der Kundin vor mir ging es nicht besser, obwohl sie nichts getan hatte, was eine derartige Unfreundlichkeit gerechtfertigt hätte. Glücklicherweise bekam ich meine Brezel, ging dann ums Eck und sah einen Zettel an der Scheibe dieses Bäckereiprodukte-Pavillons hängen: Servicekräfte gesucht mit freundlichem, serviceorientiertem Auftreten…

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