Gestern musste ich so ein paar Sachen erledigen, u. a. ein Paket bei der Post abholen, die laut Abholzettel um 9 Uhr öffnen sollte, dann aber doch erst um zehn die Kunden behandelte. Glücklicherweise musste ich nur eine Viertelstunde warten, da ich rein intuitiv den Informationen auf dem Zettel nur zu 25 % geglaubt habe.
Nachdem ich das Paket hatte, visierte ich das nächste Ziel an, was mich wiederum in einen Straßenabschnitt führte, den ich sonst nicht so häufig in meiner Revierroute habe: die Alexanderstraße jenseits des Olgaecks – wunderschön übrigens und verkehrsmäßig sehr frequentiert.
Die wirklichen Kleinode entdeckt man ja immer nur, wenn man sich abseits der ausgetretenen Trampelpfade bewegt. So auch gestern. Dieses wunderschöne Ladengeschäft mit Trödel, Antiquitäten, Kuriositäten und Antiquariat habe ich gestern wirklich zum ersten Mal gesehen, obwohl es sicherlich schon länger dort ist. Das nehme ich einfach mal an, weil die Schaufensterdeko leicht angestaubt wirkt.

In diesem gut sortierten Laden findet man seltene Bücher genauso wie höchst dekorative Bierbempel oder schicke Einkaufstüten der Galeria Kaufhof – wenn ich das richtig erkenne. Hier findet man bestimmt noch die Erstausgabe von Ben Hur aus dem Jahre 1860 mit dem Druckfehler auf Seite 116 – genau die, nach der Privatdetektiv Philippe Marlowe in dem Krimiklassiker „The Big Sleep“ von Raymond Chandler fragt. Allerdings müsste man wohl ein bißchen wühlen.

Was diesen Laden besonders empfehlenswert und auch besonders authentisch macht, ist, dass die Ware wirklich so einsortiert wurde, als käme sie 1:1 vom Keller oder Dachboden in den Verkauf. Man hat nicht das Gefühl, die Antiquitäten sind noch einer Hochglanzpoliturmaßnahme unterzogen worden, so dass sie den Kunden penetrant mit einem imaginären „Kauf mich!“ anlächeln. Nein, Authentizität wird hier noch groß geschrieben. Genauso, wie die Ware bei Haushaltsauflösungen gefunden wird, wird sie hier auch präsentiert. Ein Kauferlebnis der Extraklasse!

Wer also etwas ganz Besonderes sucht, sollte hier unbedingt mal vorbeischauen. Nach organischer Logik sortiert finden sich hier alte Postkarten neben Ratgebern, Bildbänden oder Blechspielzeug, genau so, wie wir es in unseren Hirnwindungen auch ablegen. Sehr gut finde ich auch, dass die Gegenstände offensichtlich niemals aus reiner Lust und Laune umplatziert werden, was ungemein dabei hilft, bestimmte Dinge auch wieder zu finden, die man mal vor einem halben Jahr oder so dort entdeckt hat.

Und wenn sie verkauft wurden, dann findet man einfach einen leeren Fleck, der etwas staubfreier ist als der Rest der Umgebung. Gutes System, da könnten sich die Großen der Branche mal eine Scheibe abschneiden. Was ich immer suchen muss, wenn der Supermarkt meines Vertrauens mal wieder sämtliche Waren einmal umsortiert hat – und das ungefähr gefühlt alle 3 Monate!

Dass der Laden auf jeden Fall noch in Betrieb ist, davon zeugt auch diese angebrochene Cola-Dose nebst Zettelstapel, auf dem als jüngste Message zu lesen ist, dass der Shop-Betreiber sofort wieder zurück sei. 
Noch eins sei gesagt: Wer hier rein will, sollte auf jeden Fall vorher eine Diät machen, wenn er nicht über Supermodel-Maße verfügt. Anders ist hier kein Durchkommen…
Übrigens, wer noch mehr über die schönsten Läden Stuttgarts erfahren möchte, der kann hier ein paar Links haben:

2 KOMMENTARE

  1. Was ein schöner Rumpel- Laden. Ganz nach dem Geschmack des Familienknecht! Würde die Herrin mir nur etwas mehr Geld geben, als für den kärglichen Wocheneinkauf- da wär es verloren. Ginge hinter mir "Superschlanken" eine solche Ladentür zu, wäre ich für den Rest des Tages nicht mehr zu sprechen. Da rennt ja der (ältere) Film meiner Kindheit an mir vorüber. Prima!

  2. Ich konnte mir beim Blick durchs Schaufenster auch mit viel gutem Willen nicht vorstellen, wie man sich in diesem Laden vorwärts wühlen könnte… außer üer eine anorexische Modelfigur sollte man vielleicht auch noch über Fähigkeiten im Schwebfliegen oder Fliegschweben verfügen.

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