Das Land der aufgehenden Sonne war seit ich lesen und schreiben konnte das Land meiner Träume. Die Kultur, die Landschaft, die japanische Küche – auch wenn sie längst nicht so aufwändig ist wie die chinesische Kochkunst -, die Menschen, einfach alles hat mir schon ziemlich früh im Leben ziemlich gut gefallen.

Ich verschlang tonnenweise Bücher über „mein Land“, versuchte japanisch zu lernen, hoffte immer, eines Tages dorthin reisen zu dürfen. Zum Beginn meiner Hoffnungen war Japan von Deutschland aus noch relativ schwierig und teuer zu erreichen, erst als sich dann China und die Sowjetunion so langsam dem Westen öffneten, wurde dieses Ziel für mich erreichbarer.

Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts konnte ich dann tatsächlich eine Konzerttournee quer durch Japan begleiten und bei der Gelegenheit viele verschiedene Orte kennenlernen, wie Tokio, Osaka, Kyoto, Matsuyama, Nagoya, Takamatsu und natürlich auch Hiroshima.

In Hiroshima waren wir damals 2-3 Tage stationiert. Die Stimmung dort empfand ich als bedrückend, vermutlich weil ich wusste, was dort während des 2. Weltkrieges geschehen ist. Natürlich habe ich auch das dortige Hiroshima Peace Memorial Museum besucht. Kein anderer Museumsbesuch hat mich jemals so berührt wie dieser. Umso mehr erstaunt mich – vor allem jetzt nach dem jüngsten schweren Erdbeben und dessen nuklearen Folgen – dass ein Land wie Japan, das zum einen geologisch auf ziemlich unsicherem Grund steht und das bereits in 2 Städten seine nukleare Erfahrung machen musste, verstärkt auf Atomkraft setzt und wohl die stärkste Dichte an Atomkraftwerken gemessen an der zur Verfügung stehenden Fläche aufweist.

Jetzt hat Japan nicht nur das Problem mit zerstörten Städten durch das Erdbeben vom 11. März 2011 – übrigens nicht nur eines mit der Stärke 8,9, sondern noch viele der Stärke 6+ in kurzen Zeitabständen hintereinander (derzeit noch hier nachzuschauen). Zu allem Überfluss kam auch noch ein Tsunami auf einige Orte der japanischen Ostküste zu. Und jetzt auch noch die Atomkatastrophe durch bislang einen explodierten Reaktor – vielleicht auch bald ein zweiter. Weitere Erdbeben der Stärke 7+ werden für die nächste Zukunft auch befürchtet.

Japan ist so ein kleines Land, die Entfernung zwischen der Hauptstadt Tokio zum defekten Atomkraftwerk in Fukushima ist eigentlich ein Katzensprung – zumindest für die Giftwolke, die zu erwarten ist. Ich möchte mir überhaupt nicht ausdenken oder vorstellen, was jetzt mit den Menschen in Japan passieren wird. Ich habe nur das Gefühl, dass man eigentlich das gesamte Land evakuieren sollte.

Hoffentlich täusche ich mich, aber mir kommt es so vor, als ob bis jetzt nur die halbe Wahrheit in die Welt getragen wurde und die Situation noch wesentlich brisanter ist, als man es der Öffentlichkeit vorsetzt. Nukleare Strahlen kennen keine Landesgrenzen, sie betreffen mehr oder weniger die ganze Welt. Wegschauen geht nicht!

Gestern erst gab es eine Menschenkette von Neckarwestheim nach Stuttgart, um auf die Problematik der Kernenergie aufmerksam zu machen. Statt erwarteter 40.000 nahmen weit über 60.000 Menschen an dieser Aktion teil. Der Zeitpunkt um die Atomdebatte erneut zu entfachen könnte kaum passender gewählt sein: zum einen 25-jähriges Jubiläum des Reaktorunfalls in Tschernobyl (26. April 1986), zum anderen die jüngsten Ereignisse in Japan. Für mich gibt es nur eine Lösung: Ausstieg aus der Atomenergie und Förderung von alternativer und nachhaltiger Energiegewinnung, bevor es endgültig zu spät ist.

Zurück nach Japan: Über Google wird ein Personenfinder bereitgestellt, über den eine Datenbank aufgebaut wird bezüglich vermisster Personen oder Personen, über deren Verbleib man etwas weiß – natürlich bezogen auf das aktuelle Unglück in Japan.

2 KOMMENTARE

  1. hallo Sabine
    ich bin erschüttert von deinem Bericht.
    Es ist so schlimm, was dort passiert ist,und vorallem, was noch auf Japan zu kommt.
    ich habe seit 12 Jahren eine Quiltfreundin dort, und immer mal wieder haben wir Kontakt.
    Samstag Morgen hat sie mir noch geschriebne, daß es ihr gut geht, sie lebt mir ihrer Familie in Kobe!
    Alle Kernkraftwerke gehören geschlossen.
    Bald ist WAhl, da können wir was dazu beitragen.
    liebe Grüße Claudia

  2. Hallo Claudia,

    Kobe ist zwar doch eine ganze Ecke entfernt vom derzeitigen Unglücksort. Ich fürchte nur, dass es bei atomarer Verseuchung nicht weit genug entfernt ist… ich denke hier nur an erhöhte Cäsiumwerte in Bayern in Zusammenhang mit Tschernobyl, auch da war die Distanz nicht groß genug.

    Ja, alle Kernkraftwerke gehören geschlossen. Da stimme ich Dir absolut zu. Doch wohin mit dem Müll!?

    Ich bin auch schon sehr gespannt auf den letzten Sonntag im März…

    LG Sabine

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