Die letzten Wochen wunderte ich mich immer wieder gar sehr: Meine Tochter, deren jugendlicher olfaktorischer Lappen sicherlich noch besser funktioniert als meiner und die sicherlich noch über einen feineren Geschmackssinn verfügt als ich mit meiner mittelalten Zunge, sagte mir immer mal wieder, wenn etwas komisch schmeckte.

So schmeckte zum Beispiel die Milch irgendwann mal nach Fisch. Ich roch in die Milchtüte, konnte mit meiner unempfindlichen Nase aber nichts feststellen, vermutete dann eine chronische Sinusitis bei mir und dadurch beeinträchtigten Geruchssinn. Also kippte ich die restliche Milch vorsichtshalber weg. Wer weiß, vielleicht wurden die Allgäuer Milchkühe ja mit zermahlenen Fischleichen aus der Nordsee gefüttert. Möglich ist alles.

Irgendwann beim Sonntagsfrühstück wollte meine Tochter nicht diese Aprikosenmarmelade mit 75 % Fruchtanteil auf ihrem Brot haben, die ich so schandteuer in irgendeinem Feinkostladen erstanden habe. Die Tage davor mochte sie diese Marmelade noch, doch an jenem Sonntagmorgen schmeckte die Marmelade nach Fisch. Sagte sie zumindest. Ich roch ins Glas und konnte außer duftigem Aprikosengeruch nichts feststellen, was mich auch nur annähernd an Fisch erinnert hätte. Aber meine Tochter beharrte darauf und überzeugte mich davon, dass sie von dieser Marmelade immer so fischig aufstoßen musste. Na gut, also weg mit dem Rest, bevor man sich noch irgendeine Fischvergiftung von der Aprikosenmarmelade mit vermeintlich 75 % Fruchtgehalt holt.

Weiter ging es mit dem Schulessen. Immer wieder bekam ich zu hören, dass das Mittagessen nicht besonders gut geschmeckt habe und dass es ihr den ganzen Nachmittag aufgestoßen sei, immer mit Fischgeschmack. Und zwar gleichgültig, ob es Nudeln mit Tomatensoße gab oder Pfannkuchen oder Linsen mit Würstchen. Bei letzteren wurde ich dann skeptisch und verdächtigte gar die Schulkantine, statt Bio-Würstchen wie versprochen möglicherweise Gammelfleischskandalwürstchen verarbeitet zu haben. Ich wunderte mich warum alle Leute das Schulessen so in den Himmel lobten, wenn es doch anscheinend Fischrülpserchen verursachte.

Wir verabredeten, dass sie mir vom nächsten Essen eine Probe mitbringen sollte. Dazu würde ich ihr dann eine kleine Vespertüte aus Plastik mitgeben und sie solle da etwas hineinfüllen – möglichst ohne Soße. Bevor wir jedoch zur Umsetzung dieses Planes schreiten konnten, ergab sich auf einmal ein Hinweis, der die ganze Fischgeschichte in ein anderes Licht stellte.

An einem Nachmittag kam das Töchterlein dann mal wieder von ihrem Kurzaufenthalt bei ihrer Oma zu mir in die Wohnung und bekam von mir etwas Obst aufgeschnitten. Kurze Zeit später beschwerte sie sich wieder über einen Aufstoßer mit Fischgeschmack. Ich wunderte mich ausgiebig, aber nicht lange und gleich darauf kam sie von selbst auf die Lösung des Problems: Sie hatte von ihrer Oma mal wieder eine Portion Omega-3-Fettsäuren verabreicht bekommen in Form einer Fischölkapsel! Und das nun schon seit Wochen regelmäßig!

Das erinnerte mich gleich stark an meine eigene Grundschulzeit, wo ich zum Frühstück immer eine Lebertrankapsel serviert bekam – nebst anderer Nahrungsmittel. Pünktlich zur großen Pause hatte sich diese Kapsel dann aufgelöst und schickte mir fortan auch für den Rest des Tages fischige Grüße mit Kakaogeschmack nach oben…

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