Um mir einen Überblick über den Fortschritt des Demokratieabbaus zu verschaffen, statte ich heute mittag der Stuttgarter Bahnhofsfront einen Kurzbesuch ab. Der einzementierte Bauzaun, der mittlerweile übrigens sämtlicher Kennzeichnungen beraubt ist, die einen Rückschluss auf die Bauzaunaufstellerfirma erlauben (siehe hier), ist mittlerweile noch üppiger mit Blumen, Plakaten, Flyern, Luftballons und Luftschlangen verziert als bei meinem letzten Besuch am Sonntagabend.

Heute entdeckte ich ein in Trauer gekleidetes Paar, wie es sich gerade vor dem Bauzaun ablichten ließ. Als ich näher kam konnte ich ein paar Gesprächsfetzen aufschnappen und mich dann elegant ins Gespräch einklinken.

Er war extra aus Backnang angereist, sie kam aus Berlin und zusammen hatten sie wohl einen Trauerkranz an den Bauzaun gehängt. Wie mir der nette Herr aus Backnang erzählte, ist die Empörung groß über das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21. Die Leute in den Kleinstädten und Dörfern außerhalb Stuttgarts sind sich durchaus darüber im Klaren, dass die Zeche jeder Einzelne mitträgt. Die Dame aus Berlin, die sich übrigens bestens über Stuttgarter Mineralwasservorkommen auskannte, bestätigte mir, dass die Aktionen gegen S21 in Berlin die volle Sympathie der Bürger haben. Leider mussten die beiden dann wieder gehen, sonst hätte ich mich gerne noch ein bißchen mit ihnen unterhalten.

Die Aktion mit dem Trauerkranz finde ich gut. Wenn ich es richtig mitbekommen habe, so haben sich mehrere Leute finanziell an dem Kranz beteiligt, so dass es nicht für einen Einzelnen eine größere Ausgabe wurde. Nachahmenswert!

3 KOMMENTARE

  1. "Er war extra aus Backnang angereist, sie kam aus Berlin und zusammen" und dann der Text auf dem Kranz "in Trauer die Stuttgarter". Aberwitzig!

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