… passierte der Unfall in Tschernobyl. Das Datum selbst war mir nicht mehr bewusst in Erinnerung, wurde jedoch gestern direkt auf der Straße wieder in den Vordergrund gerückt, als ich von Journalisten eines Fernsehsenders gefragt wurde, ob ich mich noch an dieses Ereignis erinnerte.

Natürlich erinnere ich mich daran, vor allem eben an die Ängste und Unsicherheit, die wir auch im weit entfernten Deutschland hatten. Ich weiß noch, dass man damals davon abriet, Wild oder Pilze zu essen, im Frühjahr zwar nicht so auf der Speisekarte zu finden, aber auch noch im darauffolgenden Herbst und noch einige Jahre später schienen diese Lebensmittel gefährlich zu sein, bis sich irgendwann mal eine Gleichgültigkeit einstellte nach dem Motte, egal ob ich jetzt verstrahlte Pfifferlinge esse oder sowieso in ein paar Jahren an Krebs sterbe, ich lasse mir jetzt den Genuss am Essen nicht verderben. Auch vor dem Verzehr von Milch und Milchprodukten wurde damals gewarnt, da der nukleare Feinstaub auch nicht vor saftigen grünen Wiesen halt machte und die Kühe natürlich das grüne Zeug futterten.

Ich kann mich auch noch an Leute im Bekanntenkreis erinnern, die sich – wohlgemerkt nach dem Ereignis – dann vorsorglich mit Trockennahrung und Milchpulver eindeckten, für den Fall, dass es zu einer weiteren nuklearen Umweltkatastrophe ähnlichen Ausmaßes kommen würde. Nur frage ich mich heute, womit hätten die dann ihr Milchpulver angerührt, wenn nicht mit verstrahltem Wasser?

Gestern, also 24 Jahre danach, wurde hier in Stuttgart auch eine Ausstellung eröffnet, die sich mit dem Thema Atom, Endlagerung, Strahlung, Zukunftsaussichten beschäftigt. Diese nennt sich CAFE ENDLAGER – Eine temporäre Kunstausstellung zur gegenwärtigen Atomdebatte, mehr dazu unter www.denkanstoesse.de.

Ich war heute dort und habe mich umgeschaut. Bilder, Fotografien, Objekte und Installationen fordern dazu auf, sich eingehend mit dem Thema zu beschäftigen. Besonders beeindruckend war für mich der Nachbau eines Endlagers, in welches man mittels eines rasant abwärts fahrenden Aufzuges gelangte – 700 m in die Tiefe – natürlich rein illusorisch, aber trotzdem nicht weniger beklemmend. Das Endlager war dann auch ziemlich realitätsnah abgebildet inclusive der großen Bodenpfützen mit möglicherweise radioaktiv verstrahltem Sickerwasser. Zumindest war das gleich meine Assoziation.

Wer die Möglichkeit hat, sich die Ausstellung anzuschauen, sollte es tun. Vom 26. April bis 9. Mai 2010 täglich von 12 – 22 Uhr in Stuttgart-Mitte, Eberhardstraße 65.

Um noch einen besseren Eindruck von der Ausstellung zu bekommen, gibt es hier noch ein paar Fotos, die ich heute gemacht habe.

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