Meine 5-jährige Tochter hatte wohl neulich ein prägendes Erlebnis. Sie war mit ihrer Oma bei uns im Schlossgarten spazieren, wo sie dann auf einen Hans mit Fahrrad stießen und mit diesem ins Gespräch kamen.

Meine Tochter erzählte mir abends von diesem Hans. Er hätte gesagt er sei Maler, aber für sie habe er eher wie ein Penner ausgesehen. Ich fragte sie, warum er für sie wie ein Obdachloser aussah. Naja, weil er hatte so einen Bart und auf dem Fahrrad waren so riesige Taschen. Nun gut. Sie hat auch schonmal einen Bekannten von mir, seines Zeichens ein IT-Experte und auch mit Fahrrad, Bart und langen Haaren unterwegs, just nachdem wir uns verabschiedet und noch keine 2 m voneinander entfernt hatten, als Penner bezeichnet. Vielleicht sollten wir daran noch etwas arbeiten…

Jedenfalls muss sie dieser Künstler namens Hans schwer beeindruckt haben. Er erzählte wohl auch, dass er Bilder malt und diese dann verkauft. Und er wusste die Bedeutung des Namens meiner Tochter, was sie wahrscheinlich noch mehr beeindruckt hat.

Am nächsten Tag ging es dann los. Sie fragte nach Papier zum Malen, ich gab ihr ein paar Blätter Kopierpapier und sie legte los. Das erste Bild war ganz eindeutig inspiriert von Mark Rothko. Sie zeigte es mir und fragte, ob dies Kunst sei. Ja, das kann man schon als Kunst betrachten, antwortete ich ihr. Es gäbe sogar einen Künstler, der fast genauso malte. Beflügelt von der Bestätigung durch mich wurde auf die Rückseite gleich ein zweiter, wesentlich düsterer erscheinender „Rothko“ gemalt. Auch dieser musste von mir begutachtet und abgesegnet werden.


Von den angeordneten Farbflächen frei nach Rothko ging es dann weiter in Richtung Gegenwartskunst frei den Neuen Wilden nachempfunden. Ich muss dazu sagen, dass meine Tochter mittlerweile sehr darauf achtet, gegenständlich zu malen und auch darauf, dass Einhörner nur EIN Horn haben und VIER Beine. Nur jetzt ließ sie ihrem Maldrang auf dem Papier freien Lauf und es entstand etwas sehr farbiges, abstraktes, was mit bestem Willen nicht mehr als gegenständlich zu bezeichnen war. Sie fragte mich wieder, ob das Kunst sei. Ja, sicher, manche Künstler malen auch so… Es sah auch gut aus, keine Frage!


Dann kreierte sie noch zwei Werke die eine Mischung aus Picasso und Munch waren und auch das wurde von mir als Kunst bewertet. Sie war richtig glücklich, auf dem Weg zu einer echten Künstlerin zu sein.


Tags drauf stand sie dann vor mir und fragte mich: „Mama, kaufst du mir ein Bild ab?“ Ich schaute erstmal ungläubig, zumal die Frage mit einer großartigen Selbstsicherheit gestellt wurde (ich bin da immer etwas kleinlauter, wenn ich jemandem was von mir „andrehen“ möchte), dann sagte ich ihr, dass ich ihr eines abkaufen würde und fragte nach dem Preis.

Sie, mit ihren 116 cm Körperhöhe, stellte sich vor mich hin, breitbeinig geerdet und die Hande in die Hüften gestützt und sagte mir mit dem knallharten Blick einer gnadenlosen Geschäftsfrau: „Sechs Euro!“

Ich staunte nicht schlecht darüber, wie sich mein Töchterlein gerade anschickte, mich über den Tisch zu ziehen. Ich antwortete ihr, dass mir 6 € zu teuer seien. Daraufhin sagte sie, dass ja immerhin ZWEI Bilder auf dem Blatt seien, eines auf der Vorder- und eines auf der Rückseite. Das ganze mit einem Blick, der keinen Widerspruch duldete.

Hmmm… ja…. stimmt schon. Es sind zwei Bilder auf einem Blatt, man spart sozusagen 50 % und je mehr man kauft, desto mehr spart man auch, das weiß man ja inzwischen. Ich wagte dann nochmal, allerdings etwas kleinlauter, zu sagen, dass es mir trotzdem zu teuer sei.

„Gut, wieviel WILLST du dann zahlen?“ Ich bot ihr einen Euro an, kam mir dabei aber richtig wie ein mieses Ausbeuterschwein vor. Aber ich hatte Glück. Sie verkaufte mir das Bild für sage und schreibe nur EINEN Euro!!! Eigentlich kostete jedes Bild ja nur einen halben Euro, da das Blatt ja doppelt bemalt war! Ich glaube, ich habe da ein unglaubliches Schnäppchen gemacht.

Und meine Tochter glaubt jetzt, ganz groß ins Kunstgeschäft einsteigen zu müssen. Heute verkaufte sie mir nochmal ein Bild, dann kramte sie noch 2 alte Schinken aus ihren Frühwerken raus und drehte diese meiner Mutter an. Nächste Woche möchte sie dem Opa eine Mappe anbieten und ihrer Tante bei Gelegenheit auch.

Und das alles nur, weil sie sich neulich unterwegs im Schlosspark mit diesem Hans unterhalten hatte…

PS: Wer noch Interesse an der Förderung junger begabter Künstlerinnen hat, der kann sich vertrauensvoll an mich wenden!

PPS: Für noch kunstinteressiertere Leser ermpfiehlt sich auch dieser Post.

HINTERLASSE EINE ANTWORT

Bitte trage deinen Kommentar ein!
Bitte trage deinen Namen hier ein