Nur wenige Meter weiter betraten wir einen Schuhladen, der hier regional einen ganz guten Ruf genießt, wenngleich er auch in den letzten Jahren mal wegen finanzieller Schwierigkeiten in die Schlagzeilen geraten ist. Ich will damit sagen, dass man dort einfach etwas bessere Schuhmarken findet, als bei dem Händler, den wir zuerst aufgesucht hatten und wo man Schuhe auch schon für 15 Euro bekommt.

Meine Tochter protestierte erstmal lautstark, als wir dort rein gingen, denn sie kannte den Laden noch nicht von innen und mit ihrem gesunden Vorurteil vermutete sie auch gleich richtig, dass es hier keine Rutschbahn gäbe. Ich nehme an, sie hat so etwas wie einen sechsten oder siebten Sinn wenn sie dergleichen schon im voraus bemerkt, ohne jemals zuvor dort gewesen zu sein.

Wir stiefelten ins Untergeschoss, wo sich oft die Kinderabteilung befindet, da ja z. B. Mütter mit Kinderwagen einfacher ins UG gelangen können als ins EG. Ist ja logisch, oder? Unten angekommen ließ ich meinen Blick über die sehr aufgeräumten Schuhregale streifen und konnte doch immerhin ein Modell ausfindig machen, welches mir gefallen hätte.

Nach geraumer Zeit kam eine Frau angeschlappt, schaute mich unter verfilzten, blondierten langen Haaren hervor schlecht gelaunt an und fragte gemäß ihrer Beschäftigungsvereinbarung, was sie für mich tun könne. Ich teilte ihr mit, dass ich Sandalen für meine Tochter suche. Daraufhin wollte sie wissen, ob ich offene Schuhe für sie haben möchte. Ja, natürlich. Oder hatte ich um Winterstiefel gebeten?

Als ich sie auch noch darum bat, doch die Schuhgröße meiner Tochter zu ermitteln, war es ihr schon sichtbar zuviel. Meine Tochter machte die ganze Sache auch nicht leichter, da sie sich grundsätzlich in einem Kletterzustand befand und immer auf irgendein blödes Schaukeltier klettern wollte, welches die Nahrung nur in Form von 20-Cent-Stücken zu sich nehmen konnte.

Der Schuh, der mir gefallen hätte, war leider nicht in der richtigen Größe da. Also brachte die blondierte Filzmaus noch eine Alternative, die mich rein farblich aber an frisch erbrochenen Fleischkäs erinnerte. Ich tat mein Missfallen durch einen entsprechenden Gesichtsausdruck kund. Aber mein Töchterlein schien wahnsinnig begeistert von der Sandale zu sein, aber nur, weil inmitten dieser vorverdauten Farbmischung ein Klunkersteinchen prankte und das Ganze wohl aufwerten sollte.

Um den ganzen Schuhkauf zu beschleunigen, ergab ich mich, willigte ein, dieses Modell zu kaufen, nicht ohne vorher die Umtauschmodalitäten geklärt zu haben. Die Blonde gab mir einen Bon mit dem Hinweis auf ihre Verkäufernummer (vermutlich bekommt sie für ihre außerordentlich excellente Beratung auch noch ein Extra-Salär) und brachte den Schuhkarton nach oben ins Erdgeschoss an die Kasse.

Wir beiden vergnügten uns noch eine Runde mit dem Schaukeltier, wobei mein Vergnügen in diesem Falle darin bestand, eine 20-Cent-Münze in den raffgierigen Rachen dieses Ungeheuers zu werfen und dann stiefelten wir gemütlich die Treppe nach oben.

Mein Plan stand bereits fest, nämlich den Laden möglichst ohne Schuhkarton zu verlassen. Wir schauten im EG noch ein paar Damenschuhe an, dann meinte meine Tochter: „Los, Mama, komm, wir hauen ab!“ Gesagt – getan! Aber ohne Schuhe!

Und weiter gings zu Schuhladen Nr. 3.

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