Gestern fand ich eine Paketabholkarte in meinem Briefkasten vor, und da ich schon sehnsüchtig auf das Päckchen gewartet hatte, ging ich heute zur entsprechenden Postfiliale um es abzuholen. Das erste erfreuliche war, dass in der Filiale eine Warteschlange an den Schaltern bis raus zur Straße war. Da habe ich gleich überlegt, ob die Postler vielleicht heute einen Teilzeitstreiktag eingelegt haben oder nur Dienst nach Vorschrift machen oder was weiß ich.

Gut, ich rückte dann so langsam und gemächlich innerhalb meiner Warteschlange immer weiter weg von der Straße und immer weiter rein in die Schalterhalle. Dort konnte ich dann in aller Ruhe beobachten wie ein zierliches Männlein vermutlich asiatischer Herkunft an einem dieser Schreibtische Platz genommen hatte und ganz ruhig und bedächtig so ein Faltset für ein Postpaket auseinander nahm. Erst wurde die Folie entfernt, dann sämtliche Zettelchen und Aufkleberchen angeschaut, die da aus diesem Überraschungspäckchen fielen und dann beschäftigte er sich mit dem Faltset als solches. Ich nahm an, dass er das neben sich liegende ordentlich zusammengefaltete Herrenhemd verschicken wollte, vielleicht zurück an einen Versandhändler, weil es eben doch nicht gepasst hat. Das Hemd war zwar ohne Folie, aber so akkurat gemäß der Sollknickstellen gefaltet, dass es aussah als sei es eben erst ausgepackt worden.

Der Mann betrachtete also sein Origami-Set von der Post und faltete bedächtig so weit es eben ging das Zeug auseinander. Irgendwann tauchte dann ein Hindernis auf, die Pappteile, die vermutlich die Seitenwände für die Schachtel werden sollten, waren mit dem Rückstück fest verbunden. Durch leichtes Ziehen ließen sie sich auch nicht von diesem Teil entfernen, also zog der Mann mit Nachdruck und etwas heftiger. Ging auch nicht. Dann probierte er es unter Einsatz sämtlicher Körperkraft und gleichzeitigem nach außen hin Gelassenbleiben – und siehe da: die Seitenwände ließen sich doch von der Rückwand abreißen. Dabei zog er sich wohl noch einen kleinen Kratzer zu, da er auf einmal so die Hände vom Karton riß und ein schmerzverzerrtes Gesicht hatte.

Jedenfalls: Karton an den Klebestellen erfolgreich auseinandergerissen. Dann drehte und wendete er das Teil noch ein paar mal, ich war mittlerweile wieder ein paar Schritte weiter vorne, so dass ich auch meinen Kopf drehen und wenden musste um ihn weiterhin gut im Blick zu haben.

Stück für Stück arbeitete er sich durch die sich selbst erklärende Faltanweisung mit Sollknickstellen und Stanzteilen. Auf einmal erhellte etwas sein Gesicht und kurz darauf schaute er leicht ärgerlich und frustriert, als ihm die Erkenntnis kam, dass er die Seitenwände doch nicht von der Rückwand hätte abreißen dürfen. Aber mit Improvisationstalent ausgestattet wie er war, ließ sich der Karton letztlich doch durch geschicktes Einsetzen von Origami-Faltkünsten als versendbare Schachtel zusammenbasteln.

Leider war ich dann auch schon dran und konnte ihn nicht mehr ungehindert beobachten. Aber was lehrt uns die Geschicht? Kauf kein Bastelset für Schachteln beim Postamt nicht!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here