Diesen Teil des Tages verbrachte ich heute im Kindergarten meiner Tochter, wo ein Eltern-Informationsnachmittag stattfand mit dem Thema „Orientierungsplan und die Umsetzung“. Man erklärte uns, was es mit diesem Plan auf sich hat, nämlich, dass sich die Minister von Kultus und Erziehung (und Sport) erhoffen, dass unsere Kinder schlauer werden und in Zukunft besser in der Schule und vor allem bei der internationalen PISA-Studie abschneiden. Schön.

Jedoch blieb mir völlig verschlossen, warum dafür mein Kind zukünftig hin und wieder 20 Minuten mit der Videokamera aufgezeichnet werden soll. Oder warum die Arbeitszeit der Erzieherinnen mit weiterem Bürokratieaufwand wie z. B. dem Ausfüllen von Bewertungsbögen über die Kinder vertan werden soll, statt dass sie sich mehr mit denselben beschäftigen könnten. Nicht dass sie nicht ihr Bestes geben würden, aber man nimmt ihnen ein ganz schönes Stück Zeit und darunter werden vermutlich die Kinder leiden, weil sie dann einfach nicht mehr entsprechende Projekte zusammen durchführen können. Und ich sehe einfach nicht, inwiefern das die Kinder unterstützen oder schlauer machen sollte.

Mich erinnerte das Ganze ein bißchen an die Einführung der Zertifizierung nach ISO 9000 ff vor einigen Jahren. Da wurde auch der Verwaltungsaufwand ganz erheblich vergrößert, da für jeden Pups ein Extra-Formular ausgefüllt und von mindestens 3 Verantwortlichen gegengezeichnet werden musste…

Aber was mich eigentlich am meisten störte war die Tatsache, dass gefilmt wird, das Filmmaterial auf mir nicht zugänglichen Notebooks aufbewahrt wird und man dann keine Ahnung hat, wer es jemals in die Finger bekommt oder was damit geschieht. Auch behagt mir der Gedanke nicht, dass hier bei Klein- und Vorschulkindern ein staatlich erwünschtes Überwachungsprogramm implementiert wird. Es reicht doch schon, dass wir in der City an jeder Ecke von irgendwelchen Überwachungskameras gefilmt werden oder dass Kfz-Kennzeichen – natürlich ganz ohne Hintergedanken – gescannt werden. BB? BB!

Man merkte aber in der Elternschaft ganz deutlich, dass diejenigen, die selbst eine überwachte Vergangenheit hatten, weil sie aus entsprechenden Ländern kommen, dem ganzen recht unkritisch oder teilweise sogar befürwortend entgegenstanden. Ich persönlich werde für meine Tochter das Entscheidungsrecht wahrnehmen und mich gegen Filmaufzeichnungen aussprechen.

Wer noch einen pinkfarbenen Camcorder braucht, der findet ihn bestimmt irgendwo in den Weiten des Netzes!

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